Gesundheit: Liebe Lobbyisten, bitte schlagt einfach mal KEINEN Alarm!
Man muss kein Arzt sein, um zu wissen, wie man auf einen drohenden Infarkt reagiert. Erster Schritt: schnelle Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems. Zweiter Schritt: langfristiger Schutz durch Medikamente und gesünderen Lebenswandel. Genauso ist es mit der Reform der Kassenfinanzen: Erst mal geht es jetzt ums unmittelbare Überleben, dann um eine sichere Zukunft des gesamten Gesundheitssystems.
Was jetzt nicht passieren darf: Dass alle noch wochenlang ums Bett des Patienten herumstehen und sich über Therapievarianten und Medikationspläne streiten. Maximal überflüssig wäre es, wenn hochrangige Experten 66 Vorschläge machen, die Koalition daraus eine Reform strickt – und dann das übliche Gewitter der Lobbyisten losbricht. Ärzteverbände, Kliniken, Kassenvertreter, Patientenschützer – in kaum einer anderen Branche sind die Interessenvertreter so wirkmächtig. Also bitte: Tut doch mal, was keiner erwartet. Schlagt einfach mal KEINEN Alarm.
Gesundheitsministerin Nina Warken hat für ihr 20-Milliarden-Euro-Sparpaket einen großen Teil der Vorschläge der Experten übernommen – und mutet nahezu allen Gruppen Einschnitte zu. Das ist schmerzhaft, aber im Grundsatz richtig. Je eher die Menschen das Gefühl haben, dass ALLE mit Einschränkungen rechnen müssen und die Regeln praxistauglich sind, desto bereitwilliger werden sie die Reform mittragen. Das Ende der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner, die sich weder um kleine Kinder noch um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen, ist ein Paradebeispiel dafür: Es ist nicht nur fair, sondern auch zeitgemäß.
