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Der peinliche Wahlkampf der Kinkerlitzchen

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10.09.2021

Essen. Mega-Katastrophen wie Corona und die Klimakrise erfordern Debatten auf höchstem Niveau. Doch nicht wenige halten Niveau für eine Creme.

Neulich bin ich in einem drolligen Kinderbuch auf eines dieser verloren gegangenen Wörter gestoßen, die trotz ihrer besonderen Anmut von der Sprachgemeinschaft schon länger links liegen gelassen werden. Ich meine das wunderschöne Wort „Kinkerlitzchen“. Zurückzuführen ist es, so lerne ich später beim Nachschlagen, auf die Hugenotten, die im 17. Jahrhundert in manchen Gegenden Deutschlands Geschäfte für Eisenwaren eröffneten (französisch „quincaille“), woraus der Volksmund verniedlichend „Kinkerlitzchen“ machte. Das wiederum steht bis heute für wertlosen Kleinkram, für unwichtige Kleinigkeiten – und führt uns unmittelbar hinein in die Niederungen des deutschen Wahlkampfes 2021.

Was könnte das für ein Wahlkampf sein! Gleich zwei Naturkatastrophen epochalen Ausmaßes nehmen die Menschheit in die Zange: die Corona-Pandemie und der Klimawandel. Beides stellt die Politik auf allen Feldern vor ungeahnte Herausforderungen. Gefragt sind visionäre Konzepte und mutige Macher. Das alles entscheidende Amt des Bundeskanzlers / der Bundeskanzlerin ist neu zu besetzen. Nun müsste man Ringen um politische Programme und die damit eng verbundenen Personen. Doch wir schauen vor allem auf: politische Kinkerlitzchen.

Dienstagvormittag im Deutschen Bundestag. Die Bundeskanzlerin hält ihre mutmaßlich letzte Rede und versichert im Hinblick auf die Corona-Impfstoffe, niemand sei ein........

© WAZ


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