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Politik Backstage: Operation „Andi muss bleiben“

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saturday

Christoph Haselmayer, Meinungsforscher und gefragter Gast in Politzirkeln, hatte mit seiner jüngsten Umfrage für die „Kronen Zeitung“ einen Volltreffer gelandet. „SPÖ könnte mit Kern sogar eine Kurz-ÖVP überholen“, schlagzeilte das Blatt. In der SPÖ befeuerte die Umfrage einmal mehr die Babler-muss-weg-Debatte massiv.

Weitgehend unter dem Radarschirm blieb so die Aufregung, die das Ergebnis in ÖVP-Kreisen auslöste. Haselmayer ließ nicht nur abfragen, wie derzeit die Parteien liegen: Die ÖVP schafft gerade noch 20 Prozent, die SPÖ kommt über 18 Prozent nicht mehr hinaus, die FPÖ hält sich eisern in der Gegend von 36 Prozent. Würde die ÖVP statt mit Christian Stocker wieder mit Sebastian Kurz an der Spitze in Wahlen ziehen, würde das aktuell den Schwarzen mit 22 Prozent der Stimmen ein türkises Plus von überschaubaren zwei Prozentpunkten bescheren. Im Fall einer SPÖ mit Kern käme die rote Truppe auf ein Plus von sechs Prozent und würde mit 24 zu 22 die ÖVP trotz Kurz knapp, aber doch hinter sich lassen.

In den Tagen nach dem aufsehenerregenden Befund ging in ÖVP-Kreisen die Nachricht um: Sebastian Kurz und seiner Entourage sei die Umfrage nicht nur sehr sauer aufgestoßen. Kurz & Co. hätten ihrem Unmut gegenüber den Überbringern der schlechten Nachricht auch deutlich hörbar Luft gemacht.

Hier geht es zur neuen Podcastfolge von Politik Backstage - erzählt von der KI-generierten Stimme von trend-Kolumnist Josef Votzi.

Eine sehr hartnäckig umgehende Darstellung, die von Kurz & Co. freilich heftig dementiert wird. Kurz-Leute sagen, die Umfrage habe sie auch deshalb kaltgelassen, weil hier Unvergleichbares verglichen werde: Babler sei in der SPÖ angezählt, eine mögliche Ablöse durch Kern seit Wochen Thema. Eine massive mediale Debatte über eine Ablöse von Christian Stocker gäbe es aber nicht. Zudem habe Kurz ein Comeback weithin vernehmbar ausgeschlossen. „Die reden sich das magere Ergebnis jetzt schön“, sagt ein ÖVP-Insider und Kurz-Kenner: „In der ersten Emotion waren sie aber stinksauer und fürchteten eine schwere Imagedelle.“

Was Politstrategen von ÖVP und SPÖ aber weitaus mehr zu denken gibt als die jüngsten Spekulationen über ein Comeback von Kurz und/oder Kern, ist ein anderes unleugbares Faktum. Kurz nach Platzen des ersten Anlaufs zu einer Dreierkoalition Anfang vergangenen Jahres waren die ÖVP mit nur noch 21 Prozent und die SPÖ mit gar 19 Prozent in den Augen der Wähler unten durch. Die FPÖ erlebte mit 37 Prozent einen Höhenflug.

Ein Jahr danach hat sich für die – im zweiten Anlauf doch noch geglückte – Dreierkoalition an diesem düsteren Lagebild nichts geändert.

Nur die Neos können sich als Regierungsneulinge nach wie vor weitgehend unbehelligt ausprobieren. Auf die innerparteiliche Autorität der Chefin des kleinsten Koalitionspartners hat die anhaltende Missstimmung gegen die Regierung bisher nicht durchgeschlagen. Das weitgehend stabile Standing von Beate Meinl-Reisinger in den eigenen Reihen liegt auch daran, dass die Neos nicht nur keine Stimmen eingebüßt haben, sondern als einzige Koalitionspartei in Umfragen ein, zwei Prozentpunkte zulegen konnten. Das Innenleben der Partei, sagen Neos-Leute, hat noch ein wenig von einer Sandkiste: Da wird im vorgegebenen Rahmen probiert, was geht und nicht geht. Die Großen lassen sie gewähren, solange sie ihnen nicht zu sehr ins Gehege kommen.

Die gewichtigen zwei der drei Koalitionsparteien präsentieren sich auch beim Start in ihr zweites Regierungsjahr hingegen in einem deplorablen Zustand. Das schwarze Lager bleibt eine Dauerbaustelle: Die........

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