Weltmusik vom Papst des Funk-Pops: „Around the World in a Day“ von Prince
Prince bricht mit seinem Konzeptalbum „Around the World in a Day“ von den Erwartungen an eine Fortsetzung seines Erfolgsalbums „Purple Rain“ und experimentiert mit verschiedenen Musikstilen.
Aus dem Album, das auch fernöstliche Instrumente beinhaltet, sollren anfangs keine Singles veröffentlicht werden.
Trotz etwas geringerer Verkaufszahlen bleibt es eine künstlerische Errungenschaft und ein kommerzieller Erfolg.
Mitte der 80er-Jahre, einen popkulturellen Augenblick lang, scheint der Wettkampf zwischen Prince und dem selbst ernannten King of Pop entschieden: Prince hat sein Momentum und ist – mindestens gefühlt – größer, bekannter, erfolgreicher als Michael Jackson.
Das Album „Purple Rain“ verkauft allein in den ersten vier Jahren 17 Millionen Exemplare (bis heute sind es mehr als 25 Millionen), heimst mehrere Preise ein, etwa zwei Grammys und einen Oscar für die beste Filmmusik. Der gleichnamige Kinofilm wird zum Box-Office-Hit und spielt seine Produktionskosten um ein Mehrfaches ein.
Prince arbeitet schon während der Tour am nächsten Album
Der vor Kreativität sprudelnde Musiker aber ist kurz nach der Veröffentlichung der Hit-Platte bereits mit dem Kopf woanders und dem nächsten Projekt beschäftigt. Während der Proben für die „Purple Rain“-Tour, sie wird die erfolgreichste seiner Karriere werden – probiert Prince mit seiner Band The Revolution Stücke für das nächste Album und nimmt diese gleich auf.
Prince gibt gut 90 Konzerte vor mehr als einer Million Zuschauer und hat ein immer noch in den Charts stehendes Hit-Album. Doch nur zwei Wochen nach Ende der Tour und ein Dreivierteljahr nach „Purple Rain“ veröffentlicht er im April 1985 das Konzeptalbum „Around the World in a Day“.
Prince überrascht mit Stilbruch und weltmusikalischen Klängen
Ein Schock: Die Gitarren sind kaum präsent, die Songs spielen mit mehreren Stilen. Prince setzt sogar fernöstliche Instrumente ein wie Zimbeln, Darbuka oder Oud. Es ist Weltmusik im Prince-Sound – passend zum Thema des Albums.
Empfohlener externer Inhalt
Die Plattenfirma und auch einige Fans hätten nichts gegen eine Fortsetzung der „Purple Rain“-Formel gehabt. Doch Prince hat kein Interesse an Wiederholungen. Und obwohl die Songs experimenteller sind als auf „Purple Rain“, sind die neuen Sounds immer noch Pop-affin genug, um ein breites Publikum zu finden. So pegelt sich etwa „Condition of the Heart“ zwischen Jazz, New Age und typischer Prince-Ballade ein.
Und: Prince verweigert sich den üblichen Vermarktungsroutinen. Es kommt ihm nicht auf Hits an, er will sogar keine Singles auskoppeln. Sein Ansatz: Das Album soll als Ganzes gehört werden. Wochen nach der Veröffentlichung lässt er sich überreden, doch noch Musikvideos zu drehen und so entstehen ein paar Chart-Songs wie „Pop Life“ oder „Raspberry Beret“.
Prince entwirft das Cover – doch bleibt selbst rätselhaft
Die Lieder spiegeln viel von seinem Seelenleben, seinen Gedanken wieder. Näher sei man Prince bis dahin in seiner Kunst nicht gekommen, berichten Weggefährten in der Rückschau. In „Paisley Park“ besingt er eine Utopie, einen Ort ohne Regeln. Später wird er den von ihm errichteten Komplex mit Studios, Proben- und Wohnräumen in Chanhassen, einer Art Vorort seiner Heimatstadt Minneapolis, so nennen. 1985 aber gibt es das Domizil noch nicht.
Empfohlener externer Inhalt
Für das Album-Cover hat Prince eine detaillierte Vorgabe erstellt, wen und was er auf dem Bild haben möchte. Einzig er selbst fehlt. Oder? Manche vermuten, er sei auf der Leiter bereits in andere Sphären entstiegen. Eine andere Lesart verortet ihn in dem blonden Gitarristen mit Wolkenhimmel-Anzug, den er im Musikvideo von „Raspberry Beret“ trägt.
Bonus-Tracks enttäuschen im Vergleich zu früheren Reissues
Zum 40. gibt es das Album in einer remasterten Fassung, auch als erweiterte Version auf Doppel-CD und Dreifach-Vinyl mit einem Dutzend Bonus-Tracks. Gemessen an den bisherigen Wiederveröffentlichungen von Prince-Alben sind Extended-Mixe und die tollen B-Seiten sowie „4 the Tears in your Eyes“ vom „We are the World“-Sampler ein enttäuschend schmales Paket.
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Was jedoch den Fakt nicht schmälert, dass „Around the World in a Day“ künstlerisch eine Errungenschaft ist und eines seiner besten Alben. Die Platte hat zwar ein paar Millionen weniger verkauft als der Vorgänger und stand auch nicht so lange auf dem Charts-Thron. Doch von einem kommerziellen Misserfolg ist auch dieses Album weit entfernt.
Und es erinnert daran, dass große Kunst auch durchs Grenzen verschieben entsteht. Oder wie Prince es in den ersten Zeilen des Albums singt: „Open your Mind, open your Heart“.
Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor. Alle Folgen gibt es hier.
