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„Super Sound“ von Pepe Deluxé: Musikalische Zeitreise mit Schnipsel-Kunst

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13.03.2026

Dass jedes Kunstwerk nicht einzig dem Musenkuss seines Erschaffers entspringt, sondern auch von bereits bestehender Kunst zehrt, ist das große Thema der Sampling-Kultur. Moby oder Fatboy Slim gehören zu den bekannteren Vertretern dieses Genres, das unverhohlen und offener als andere Musikstile sich an dem bedient, was andere Musiker längst konserviert haben.

Unter den Künstlern, die die Copy-Paste-and-Mix-Methode kultiviert und perfektioniert haben, sind auch die Finnen von Pepe Deluxé. James Spectrum, JA Jazz und DJ Slow veröffentlichen 1999 ihr Debütalbum „Super Sound“. Der protzige Titel kommt nicht von ungefähr: Die skandinavischen Musikstück-Jongleure scheinen eine verdammt große Plattensammlung zu haben, wenn man versucht, die verwendeten Soundschnipsel zu kartografieren.

Genresprünge und Samplekunst prägen das musikalische Schaffen

Auf alle Fälle verfügt das Trio über deutlich mehr als nur fundierte Kenntnisse zu Musikstücken verschiedener Genres und Epochen. Die vordergründig groovenden und oft heftig tanzbaren Tracks sind bei näherer Betrachtung ein Ritt querbeet durch die Zeitachsen der Musikhistorie.

Allein in dem bekanntesten Song des Albums, „Before you leave“, verwendet die Truppe unerschrocken Samples von Nina Simone, Bo Diddley oder den Hip-Hop-Pionieren DJ Grand Wizard Theodore and the Fantastic Five sowie Public Enemy. Der Track basiert auf dem Instrumentalstück „Sounds of the Seventies“ von Tony Hatch, einem erfolgreichen britischen Songwriter, der in den 60ern und 70ern Easy-Listening-Stücke, Filmmusiken, Musicals oder Petula Clarks „Downtown“ komponiert hat.

Pepe Deluxé landen mit Levi’s-Spot einen Chart-Erfolg

Pepe Deluxé pushen den Beat des Tanzorchester-Tracks und verquirlen ihn mit allen Zutaten, die ihnen scheinbar in die Hände kommen, wie Diddleys „Bad Moon Rising“-Cover.

Empfohlener externer Inhalt

Klingt unglaubwürdig und wie ein schlechter Witz? Geht aber in die Beine und in die Charts. Spätestens als die Marketingabteilung des Jeans-Label Levis auf den Track aufmerksam wird und ihn 2001 für einen viel beachteten Werbespot einsetzt.

Die Mischung aus Hip-Hop, Trip-Hop, Lounge-Jazz, Swing, Funk, Blues, elektronischen Sequenzen, Scratching und Big Beat ist auf der Höhe der Zeit. Catskills Records aus dem englischen Brighton nimmt passenderweise die drei Autodidakten aus Helsinki unter Vertrag. Bei dem jungen Label haben auch die bereits erwähnten Moby und Fatboy Slim unterschrieben, was die Gruppe vom popkulturellen Nebenschauplatz Finnland zu internationaler Aufmerksamkeit pusht.

Pepe Deluxé remixen Stars und erhalten Auftrag für „Angry Birds Go!“

Die äußert sich auch in externen Aufträgen: Pepe Deluxé produzieren etwa Remixe für „Burning down the House“ von Tom Jones und den Cardigans sowie für Eminem oder Jacknife Lee. Ein paar Jahre später bekommen sie für den Soundtrack zum Computerspiel „Angry Birds Go!“ den Zuschlag.

„Super Sound“ wird 1999 in mehreren Versionen für unterschiedliche Regionen veröffentlicht. Die Gründe sind nicht ganz geklärt, vermutlich aber gibt es regionale Probleme mit den Rechten der verwendeten Samples.

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Das Thema scheint gut 25 Jahre später abgeräumt. Die zum Duo geschrumpften Pepe Deluxé – JA Jazz und DJ Slow sind 2001 und 2008 ausgestiegen, dafür gehört Paul Malmström zur Band – veröffentlichen zum 25-jährigen Jubiläum ihr Debüt als „Super Sound 25“ remastert auf zweifarbigem Vinyl und ändern mal eben das markante Orange des Albumcovers in ein knalliges Pink.

Das passt zum aufgefrischten Sound, der als digitale Veröffentlichung vom Vinyl geschnitten wurde. Denn das Retro-Gefühl gehört bei Pepe Deluxé dazu: Und sei es das Knistern der Nadel auf der Rille. 

Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor. Alle Folgen gibt es hier.


© TLZ