Wie der „ChatGPT-Moment“ in der Industrie angekommen ist |
12. Januar 2026 | The Economist
Industrieroboter, Software und KI verändern, wie und wo produziert wird. Warum Analysten einen Wendepunkt sehen – und weshalb Fabriken durch intelligente Automatisierung neu organisiert werden, erklärt The Economist
VON THE ECONOMIST
„Wissen Sie, was mich wirklich beeindruckt? Ich habe gesehen, wie ein Roboter ein Ei aufgehoben hat!“, rief Roger Smith, Vorstandsvorsitzender von General Motors, im Jahr 1985 aus. Der amerikanische Autobauer, der zwei Jahrzehnte zuvor als erstes Unternehmen einen Roboterarm installiert hatte, arbeitete damals an der „Fabrik der Zukunft“ in Saginaw, Michigan. Smith schwebte ein „Lights-out“-Betrieb vor – keine Menschen, nur Maschinen –, mit dem GM mit den japanischen Wettbewerbern Schritt halten sollte. Das Ergebnis war chaotisch. Die tumben Roboter konnten Fahrzeugmodelle nicht unterscheiden, schafften es nicht, Stoßfänger korrekt zu montieren oder ordentlich zu lackieren. Die Kosten explodierten. Schließlich legte GM das Werk still.
Seitdem hat die Automatisierung enorme Fortschritte gemacht. Doch Smiths Vision liegt in den meisten Fabriken noch immer weit jenseits der Realität. Nach Angaben der International Federation of Robotics (IFR), eines Branchenverbands, waren 2024 weltweit rund 4,7 Millionen Industrieroboter im Einsatz – lediglich 177 je 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. Nachdem die jährlichen Installationen in den 2010er-Jahren gestiegen waren, schossen sie während des pandemiebedingten Automatisierungsschubs in die Höhe, flachten danach jedoch wieder ab. 2024 wurden 542.000 Roboter installiert.
Dieses Muster spiegelt sich im breiteren Markt für Fabrikautomatisierung wider, einschließlich Sensoren, Aktoren und Steuerungen, der in den vergangenen Jahren unter verhaltener Nachfrage litt – ausgelöst durch eine Abschwächung der Industrie, insbesondere in Europa. Trotz einer glänzenden Entwicklung während der Pandemie hinken die Aktien der großen Anbieter der Branche seit Anfang 2024 hinter denen anderer Unternehmen der reichen Welt hinterher.
Analysten sehen jedoch 2026 als Wendepunkt. Die IFR rechnet damit, dass die jährlichen Roboterinstallationen in diesem Jahr auf 619.000 steigen werden. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert, dass das inflationsbereinigte Wachstum der Umsätze mit Industrieautomatisierung insgesamt von mageren 1–2 % im Jahr 2025 auf 3–4 % im Jahr 2026 anzieht und sich anschließend für den Rest des Jahrzehnts auf 6–7 % beschleunigt.
Zum Teil ist dies Rückenwind aus den Zinssenkungen im........