Thilo Bode: So rechnet der Ex-Greenpeace-Chef mit Entwicklungshilfe ab |
09. Januar 2026 | Rainer Zitelmann
Einst leitete er selbst Projekte in Ländern wie Tunesien, Marokko, Mali oder Burkina Faso, später führte er große Nichtregierungsorganisationen. Heute sagt Bode: Armut lässt sich mit Entwicklungshilfe nicht bekämpfen
VON RAINER ZITELMANN
Thilo Bode ist bekannt, weil er zwölf Jahre Geschäftsführer von Greenpeace und später Gründer und Direktor von foodwatch war. Jetzt hat er seine Autobiografie vorgelegt: „Resist! Aufruf zum Widerstand. Erinnerungen eines politischen Aktivisten“ (DVA).
Bode hat als Entwicklungshelfer begonnen und war elf Jahre in verschiedenen Ländern aktiv - in Tunesien, Marokko, Mali, Burkina Faso und anderen Ländern, wo er für die KfW, die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) und andere Organisationen tätig war. Ich habe großen Respekt, weil er, ein bekennender Linker, sich schonungslos selbstkritisch mit diesem Teil seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Beim Verfassen seiner Biografie stellte er sich selbst die Frage, ob seine Arbeit in der Entwicklungshilfe – und ganz grundsätzlich das, was man heute „Entwicklungszusammenarbeit“ nennt – wirklich geholfen hat oder nutzlos war – oder vielleicht sogar eher geschadet hat.
Er sei in den ersten Jahren „abenteuerlich naiv“ (S. 16) gewesen, erst später habe er erkannt, „dass Entwicklungshilfe nicht wirklich zur Überwindung der Armut beitragen kann“, zumindest nicht, solange die Machtverhältnisse des jeweiligen Landes es nicht zuließen (S. 17). Zunächst einmal: Als Entwicklungshelfer lebt es sich gut: „Unter uns Entwicklungshelfern gab es den Spruch: ‚Im Inland ein Würstchen, im Ausland ein Fürstchen.“ (S. 23).
In Somalia sollte er Nomaden zu Fischern umschulen und wunderte sich, dass der Minister in dem damals sozialistischen Land den Vertrag umgehend mit seinem Daumenabdruck genehmigte und dann – auf Bodes Koffer deutend – fragte, ob darin das Geld für das Projekt sei. „Das war es nicht. Trotzdem steht zu vermuten, dass zumindest ein Teil der dann regulär ausgezahlten Projektgelder nicht in das Fischereiflottenprojekt floss, sondern in die Taschen des Präsidenten und seiner Clique. Damals aber redeten wir uns… das Thema Korruption kollektiv schön.“ (S.23).
30 Jahre später legte dann ein UNO-Bericht dar, dass nur etwa die Hälfte der Nahrungsmittelhilfen bei den Zielgruppen ankam, während die andere Hälfte bei den Warlords landete (S.24). Ein Großteil des Geldes, so Bode, erreichte nicht die bedürftige Bevölkerung, sondern versickerte in Prachtvillen und Wohnungen, die sich die Nomenklatura damit in Paris oder London kaufte (S. 27).
Was hat er in........