Die Tschernobyl-Katastrophe vor 40 Jahren offenbart das Versagen der Planwirtschaft |
Link in die Zwischenablage kopieren
Die Tschernobyl-Katastrophe vor 40 Jahren offenbart das Versagen der Planwirtschaft
25. April 2026 | Rainer Zitelmann
Die Reaktorkatastrophe im Block 4 des W.I. Lenin-Atomkraftwerkes in Tschernobyl jährt sich am 26. April zum 40. Mal. Sie war vor allem auch eine Katastrophe der sozialistischen Planwirtschaft
VON RAINER ZITELMANN
Die Reaktorkatastrophe vom 26. April 1986 im Reaktor-Block 4 des W.I. Lenin-Atomkraftwerkes, heute nach seinem Standort bekannt als Tschernobyl, war das entscheidende Erlebnis für den bulgarischen Ökonomen Krassen Stanchev. Ich traf ihn in Sofia traf und Stanchev sagt mir über die Reaktion des kommunistischen Systems darauf:
„Sie zeigte der Mehrheit, dass es keines weiteren Beweises für die Menschenfeindlichkeit des Regimes bedurfte. Ich erfuhr von dem Unfall, als ich an der Wirtschaftsuniversität (damals noch Wirtschaftsinstitut Karl Marx) eine Vorlesung über Ressourcenknappheit hielt, bei der ich Beispiele aus dem Energiesektor anführte. Ein Student protestierte und sagte der Klasse, ich würde ‚völligen Blödsinn’ erzählen; die BBC habe über einen schrecklichen Unfall in einem sowjetischen Atomkraftwerk berichtet. Ich beendete die Vorlesung, um die Nachricht rasch zu überprüfen, indem ich von Ost- zu Westradio wechselte. Mit Ausnahme von Bulgarien und der Sowjetunion wurde die Öffentlichkeit überall ausreichend über das Geschehen informiert und darüber, was man zur Vermeidung der Strahlungsrisiken tun könne. Meine Frau war zu dieser Zeit schwanger. Ich empfand die bewusste Fehlinformation der Regierung als persönliche Beleidigung und beschloss, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um dieses menschenfeindliche System zu beseitigen.“
Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus engagierte Stanchev sich vor allem bei Umweltthemen: „Als einer der wenigen Aktivisten, der sich mit vergleichendem Umweltrecht auskannte, wurde ich im Juni 1990 zur Teilnahme an den ersten verfassungsmäßigen Wahlen nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft eingeladen, um dabei den Vorsitz des Umweltschutzausschusses zu übernehmen. Ich gewann im größten Wahlkreis, entwarf das Umweltgesetz und beteiligte mich zudem an der Gesetzgebung in den Bereichen Besteuerung, Privatisierung, Rückgabe enteigneter Rechte und Liberalisierung der........