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Der große Fehler der...

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18.06.2021

In fast allen utopischen Entwürfen ist das Privateigentum an Produktionsmitteln (und manchmal sogar jedes Privateigentum) abgeschafft und jede Differenzierung zwischen arm und reich aufgehoben. In dem 1643 erschienenen Roman des Philosophen Tommaso Campanella über den „Sonnenstaat“ trugen fast alle Männer und Frauen dieselbe Kleidung. Und für die Christianopolitaner in dem utopischen Entwurf von Johann Valentin Andreae sind lediglich zwei Arten von Kleidung vorgesehen. Selbst die Wohngebäude sehen in vielen utopischen Romanen einheitlich aus. Kaum jemand, der „soziale Ungerechtigkeit“ beklagt, würde heute einer so radikalen Gleichmacherei das Wort reden. Fast jedermann akzeptiert, dass es Unterschiede im Einkommen geben solle, aber – so fügen viele hinzu: Diese Unterschiede sollten nicht „zu groß“ sein. Was jedoch ist „zu groß“ und was ist in Ordnung?

Eine andere Frage, die zu selten gestellt wird, lautet: Was ist der Preis dafür, Ungleichheit zu beseitigen? Der renommierte Stanford-Historiker und Altertumswissenschaftler Walter Scheidel hat dazu 2018 eine beeindruckende historische Analyse vorgelegt: „Nach dem Krieg sind alle gleich. Eine Geschichte der Ungleichheit“. Er kommt zu dem Ergebnis, dass in Gesellschaften, die von großen gewaltsamen Erschütterungen und deren Auswirkungen verschont wurden, nie eine wesentliche Verringerung der Ungleichheit beobachtet werden konnte.

Die Gleichheit in Gesellschaften sei stets nur als Ergebnis von Katastrophen gestiegen, und zwar vor allem von:

Der größte Gleichmacher im 20. Jahrhundert waren nicht etwa soziale Reformen, sondern die beiden Weltkriege sowie die kommunistischen Revolutionen, wie Scheidel zeigt. Sowohl in den........

© The European


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