We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Die Weltwirtschaft ist aus...

1 0 1
04.05.2021

Ernst Prost entfährt ein Seufzer. Mal wieder: „Wir ersaufen gerade in Aufträgen, aber haben keine Ware“, sagt er. Der Chef des Schmiermittelherstellers Liqui-Moly beschreibt mit drastischen Worten das, was derzeit Unternehmerinnen und Unternehmern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, Ökonomen als interessantes Phänomen beobachten und die Europäische Zentralbank (EZB) zu genauem Hinsehen veranlasst: Engpässe in der Versorgung mit wichtigen Vorprodukten aufgrund der Pandemie behindern viele Industrieunternehmen und treiben die Preise nach oben.

Trotz starkem Wachstum in den Auftragsbüchern sind laut einer Umfrage der EZB die Aktivitäten der Firmen ausgebremst. Engpässe gibt es allerorten. Die EZB nennt insbesondere „Halbleiter, Metalle, Chemikalien und Plastik“. Damit nicht genug. Während die Produzenten der Rohstoffe nicht ausreichend produzieren, sind auch die Transporteure nicht in der Lage ausreichend zu transportieren: Die Probleme haben sich durch „anhaltenden Schwierigkeiten in der Transport-Logistik“ verschärft, schreibt die Notenbank. Und die Bundesbank ergänzt: Die Anzahl der Industrieunternehmen, die mit Lieferkettenproblemen kämpfen, habe sich von Mitte 2020 bis Januar 2021 auf fast 20 Prozent verdoppelt. Sogar von einer möglichen „Akkumulation von Lieferkettenstörungen“ ist die Rede. Die Situation führt dazu, dass die Preise stärker anziehen als gedacht – was letztlich ein unschönes Szenario ist: Steigende Preise – aber es gibt weniger zu kaufen. Das alles sieht aus wie eine riesige Verschwörung – doch was ist da wirklich los?

Panikkäufe in der Industrie

Während die Menschen in Europa noch in der Corona-Pandemie stecken, ist die Wirtschaft in China und zunehmend auch in den USA wieder in Fahrt gekommen. Das lässt auch die Produzenten hierzulande nicht kalt: Sie verkaufen ihre Autos, Düngemittel und Medikamente dahin, wo es läuft, weswegen auch die Industrie in Deutschland wieder aus dem Tal der Tränen gekommen ist. Die steigende Nachfrage, nach den Vorprodukten, die zur Herstellung nötig sind, hat wiederum deren Produzenten überrascht, und sie kommen mit den Lieferungen nicht hinterher. Leute wie der Liqui-Moly-Chef kaufen........

© The European


Get it on Google Play