Drei Todesengel für Uncle Sam |
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Drei Todesengel für Uncle Sam
17. Juni 2026 | Maurice Dorffer
An drei Fronten hat sich Washington verkämpft: Gegen China, Russland und Iran. Hat Donald Trump das Ende des amerikanischen Jahrhunderts besiegelt?
VON MAURICE OLIVIER DORFFER
Imperien zerbrechen selten an einer einzelnen Niederlage. Sie zerbrechen, wenn sich zeigt, dass scheinbar getrennte Niederlagen in Wahrheit Teil derselben historischen Entwicklung sind. Die Vereinigten Staaten erleben gegenwärtig genau einen solchen Moment. Drei geopolitische Fronten – Russland, China und Iran – markieren nicht bloß isolierte Rückschläge amerikanischer Machtprojektion. Zusammengenommen bilden sie die Chronik eines Epochenbruchs, ja sogar, das Ende eines Zeitalters.
Was sich derzeit vollzieht, ist mehr als eine Serie außenpolitischer Fehlschläge. Es ist der Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Weltordnung – oder anders gesagt: das schrittweise Ende amerikanischer Hegemonialdominanz. Bereits früh wurde dieser Zustand als historischer Ausnahmefall beschrieben. Charles Krauthammer prägte 1990 den Begriff des „Unipolar Moment“ und formulierte: „The immediate post–Cold War world is not multipolar. It is unipolar. The center of world power is the unchallenged superpower, the United States, attended by its Western allies.“
Wer aber seinen hegemonialen Anspruch bewahren will, muss nicht nur stark sein, sondern auch als stark wahrgenommen werden. Die drei Todesengel, die Uncle Sam nacheinander heimgesucht haben oder noch heimsuchen, untergraben genau diese Wahrnehmung – und zwar mit Erfolg. Sie markieren damit womöglich das Ende jenes „Unipolar Moment“, den Krauthammer nach dem Kalten Krieg als amerikanisches Jahrhundert ausrief.
Der erste Todesengel: Russland
Der französische Historiker und Anthropologe Emmanuel Todd spricht inzwischen offen von der „Niederlage des Westens“. Ausgerechnet jener Mann, der bereits 1976 den Zusammenbruch der Sowjetunion prognostizierte, erkennt heute im amerikanischen System Symptome eines vergleichbaren imperialen Erschöpfungsprozesses. Für Todd war der Krieg in der Ukraine nie bloß ein regionaler Konflikt. Er stellte die entscheidende Konfrontation zwischen dem amerikanisch dominierten Westen und Russland dar. Todd argumentiert, Washington habe sich in der Ukraine in eine strategische Falle manövriert. Die Vereinigten Staaten hätten die industrielle Widerstandskraft Russlands unterschätzt und zugleich die eigene ökonomische wie militärische Stärke überschätzt.
In diesem Kontext erscheinen auch die politischen Selbstgewissheiten der frühen Kriegsphase in einem deutlich anderen Licht. Die Aussage des französischen Wirtschaftsministers Bruno Le Maire – „Wir werden den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft herbeiführen“ – wirkt im Rückblick, pars pro toto, wie ein Lehrbuchbeispiel westlicher Hybris und, wie man im Englischen sagt, it did not age well.
„Die Vereinigten Staaten werden diesen Krieg verlieren, weil ihre industriellen und militärischen Mittel gegen ein wiedererstarktes Russland unzureichend sind“, schreibt Todd in der deutschen Ausgabe von „Der Westen im Niedergang“ (Westend Verlag, 2024). Bereits bei der stark gehypten, inzwischen in Vergessenheit geratenen „Großoffensive“ der Ukraine im Sommer 2023 im Süden des Landes, mit dem Ziel, die Krim zurückzuerobern, wird laut Todd diese Niederlage deutlich sichtbar.
Für Todd war das Scheitern dieser vom Pentagon gesteuerten Offensive der Wendepunkt des Krieges. Umso erstaunlicher erscheint dieses Scheitern, weil doch dieser langfristig geplanten Offensive eine massive Aufrüstung der ukrainischen Armee mit westlichen bzw. NATO-Waffensystemen vorausgegangen war: Leopard-Panzer, Challenger, Abrams, Bradley, Marder, Panzerhaubitzen 2000, HIMARS, Patriots usw. – die gesamte Palette westlicher Waffensysteme wurde zur Verfügung gestellt, um Russland zurückzudrängen. Es wurden weder Mühen noch Kosten gescheut. Diese Offensive sollte nämlich Russland demütigen und letztlich den Sturz Putins herbeiführen. Was hätte hier schon schieflaufen können?
Das Ergebnis der Offensive war jedoch ernüchternd: Den........