Trump hin, China her: Warum die USA trotzdem alleinige Weltmacht bleiben

21. Januar 2026 | Jörg Nackmayr | Burghard Jepsen

Wie Iran, Venezuela und der Petrodollar die Rückkehr amerikanischer Dominanz markieren - und welche Rolle Russland und Europa in diesem geopolitischen Kräftemessen spielen können

VON JÖRG-DIETRICH NACKMAYR UND BURGHARD JEPSEN

In westlichen wie nichtwestlichen Medien hat sich in den vergangenen Jahren eine Erzählung verfestigt: Die Vereinigten Staaten seien als globale Führungsmacht auf dem absteigenden Ast. Der Dollar verliere seine Dominanz, die militärische Überlegenheit schwinde, technologische Führerschaft gehe an China über, und der sogenannte „Globale Süden“, angeführt von den BRICS-Staaten, bereite eine neue Weltordnung jenseits des Westens vor. Diese Diagnose wird zunehmend als unausweichliche Entwicklung dargestellt – doch sie hält einer nüchternen strategischen Prüfung nicht stand.

Was derzeit zu beobachten ist, ist kein Niedergang, sondern eine Neuorganisation amerikanischer Macht – entlang jener Achsen, die die USA bereits im 20. Jahrhundert zur Führungsmacht formten: Energie, Währung, Technologie, Militär und institutionelle Einbettung. Der Konflikt mit dem Iran und die Neuordnung Venezuelas sind dabei keine regionalen Episoden, sondern Bausteine einer größeren strategischen Architektur.

Der vielfach beschworene „Niedergang des US-Dollars“ ist bislang vor allem ein politisches Narrativ. Weder existiert eine funktionsfähige Alternative mit vergleichbarer Tiefe, Liquidität und Rechtssicherheit, noch zeigt sich ein ernstzunehmender Ersatz im internationalen Zahlungsverkehr. Der Wunsch nach einer Ersatzwährung ist die kleine Schwester ihrer globalen Durchsetzung. Und so weit ist es noch lange nicht. Entscheidend ist jedoch ein anderer Punkt: Die Vereinigten Staaten arbeiten aktiv daran, den Petrodollar erneut strukturell zu stärken, um damit die Dominanz des US-geführten Währungssystems zu erhalten.

Die schrittweise Rückkehr Venezuelas auf den Weltölmarkt unter US-Lizenzregimen, kombiniert mit absehbaren Arrangements mit Iran nach einem Regimewechsel und im Rahmen neuer energiepolitischer Verständigungen, erweitert erneut den Anteil ölbasierter Handelsströme, die in Dollar fakturiert werden. Damit wird eine zentrale Säule der Dollarordnung – die Rohstoffbindung – modernisiert, nicht abgebaut.

Strategisch noch wichtiger ist die Perspektive eines künftigen Arrangements mit Russland. Sollte es zu einem stabilisierten Verhältnis zwischen Washington und Moskau kommen, ist es realistisch, dass russische Energieexporte künftig über westlich kontrollierte Handels- und Versicherungsstrukturen in den Weltmarkt integriert werden. Damit würde Russland faktisch in ein bestehendes Dollar-basiertes Energie-Ökosystem zurückgeführt – und zugleich der Anreiz sinken, alternative Währungsstrukturen aufzubauen.

Der vielzitierte Plan einer BRICS-Weltwährung bleibt damit, auf absehbare Zeit, politisches Symbol ohne tragfähige........

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