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Zur Aktualität der Populismus-Thesen...

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24.09.2021

Ralf Dahrendorf zählt zu den wichtigsten philosophischen und politischen Denkern im Nachkriegsdeutschland. Er war ein erfolgreicher Soziologe, Politiker und Wissenschaftsmanager. Wie sein philosophischer Lehrer Karl Popper hatte er ein sehr waches Sensorium für die Feinde der Demokratie. Im Jahr 1997 warnte er in einem Essay in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ vor autoritären Tendenzen und vor der Möglichkeit eines autoritären 21. Jahrhunderts. Populismus und Totalitarismus sind politische Phänomene, die sich überlagern können. Sie können gemeinsam auftreten – aber nicht jeder populistische Politiker wird ein autoritärer Führer oder Diktator. Populismus ist ein hochaktuelles Phänomen, über das sehr kontrovers diskutiert wird. Wieviel Beachtung es findet, zeigt sich darin, dass in den letzten Jahren mehr als zehn deutschsprachige Monographien über dieses Thema erschien und Tausende von Zeitschriftenartikeln. Die kürzlich verstorbene Populismus-Expertin Karin Priester, die viele Jahre Professorin für politische Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Münster war, hat in mehreren Arbeiten aufgewiesen, dass bereits seit den siebziger Jahren in zahlreichen europäischen Ländern populistische Bewegungen feststellbar waren (Priester 2007, 2012). Der Französische Front national, die Schweizerische Volkspartei SVP, die italienische Lega Nord und die FPÖ in Österreich sind Beispiele hierfür. Der österreichische Jörg Heider oder der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi waren bereits vor der Jahrhundertwende populistische Leitfiguren innerhalb der europäischen Union.

Ralf Dahrendorf hat diese Tendenzen mit Wachsamkeit und Besorgnis verfolgt. Er war im Herzen ein leidenschaftlicher Europäer und war von 1970 bis 1974 Kommissar in der Europäischen Union. Im Jahr 2002 erschien in seinem Buch „Die Krise der Demokratie“ die Aufzeichnung langer Gespräche, die er mit dem renommierten italienischen Journalisten Antonio Polito führte. Ein Jahr später veröffentlichte er in der Zeitschrift „Transit“ einen Beitrag mit dem Titel „Acht Anmerkungen zum Populismus“. Die darin enthaltenen Thesen sind vor fast zwanzig Jahren lebhaft diskutiert worden. Sie finden sich fast in jeder Arbeit, die in den Folgejahren über Populismus geschrieben wurde. Im Jahr 2019 hat die Friedrich-Naumann-Stiftung den Text der „Acht Anmerkungen zum Populismus“ neu herausgegeben.

In der ersten Anmerkung setzt sich Ralf Dahrendorf mit dem Begriff........

© The European


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