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Wegen Nazi-Vergangenheit: Juristische Standardwerke...

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03.08.2021

Der renommierte juristische Verlag C.H. Beck ließ verlautbaren, er wolle fortan mehrere Standardwerke aus seinem Verlagsprogramm umbenennen, die für alle Jura-Studierenden, jede Kanzlei und in allen Gerichtssälen hierzulande prägende Bergriffe sind, gewissermaßen die erklärenden, verlässlichen Leitplanken durch die juristischen Höhen und Niederungen im deutschen Gesetzes-Dschungel. Aus dem »Palandt«, dem 3216-Seiten-»Kurzkommentar« zum Bürgerlichen Gesetzbuch, werde nun der »Grüneberg«, auch die dicke rote Sammlung »Schönfelder« aus gleichem Haus mit Gesetzen zum Zivil- und Strafrecht, auch sie werde künftig unbenannt und vom Münchner Zivilrechtsprofessor Mathias Habersack herausgegeben. Nicht genug: der mehrbändige Grundgesetzkommentar »Maunz/Dürig« soll künftig ebenso neu namentlich etikettiert werden. Er soll den Namen »Dürig/Herzog/Scholz« tragen.

Dass es sich hier nicht um einen üblichen »Brand-Relaunch« handelt, sondern um die Einsicht, das es nicht akzeptabel ist, wenn die Standardwerke im Verlagsprogramm Namen von Juristen tragen, die während der nationalsozialistischen Diktatur eine aktive und prominente Rolle eingenommen haben ­ – das wollen die Münchner Verleger in einer Presseerklärung Glauben machen.

Der »Palandt« gehört zum Inventar in fast jedem Richter- und Anwaltsbüro hierzulande. Sein Namensgeber Otto Palandt trat im Mai 1933 der NSDAP bei. Ab Juni 1933 war er Vizepräsident und seit Dezember 1933 Präsident des Preußischen Landesprüfungsamtes. 1934 wurde Palandt von Roland Freisler, Hitlers Blutrichter und späterer Präsident des Volksgerichtshofes, zum Präsidenten des Reichsjustizprüfungsamts und Abteilungsleiter im Reichsjustizministerium ernannt. Otto Palandt zählte damit zu den einflussreichsten Juristen des Dritten Reichs, ein Mann, der die sogenannte „Arisierung“ des Rechtswesens mit vorantrieb. Er forderte, junge Juristen müssten lernen, „Volksschädlinge zu bekämpfen“ und die „Verbindung von Blut und Boden, von Rasse und Volkstum“ begreifen. Kommentiert hat Otto Palandt in dem nach ihm betitelten Werk nie, seine “Mitarbeit“ beschränkte sich darauf, glorifizierende Vorworte auf das nationalsozialistische Regime zu verfassen.

Dennoch druckte und verbreitete der Verlag C.H. Beck nach dem Krieg den »Palandt« mit der Rechtfertigung, Palandt sei bereits 1948 in der britischen Besatzungszone entnazifiziert worden. »Entscheidend für uns ist“, so der........

© The European


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