We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Hans Filbinger – ein...

1 0 0
05.05.2021

Als am 15. März 1945, kurz nach 16 Uhr, der junge Matrose Walter Gröger wegen »Fahnenflucht im Felde« hingerichtet wurde, fand nicht nur ein junges Leben ein Ende, auch das Leben einer Frau, seiner Mutter, lag fortan in Trümmern. Ihr war – wenige Monate vor Kriegsende – der einzige Sohn genommen worden. Das Hinrichtungsdokument trug die Unterschrift des Marinestabsrichters Filbinger. »Im Namen des Volkes«.

Filbinger hatte immer wieder betont, er habe kein Todesurteil selbst gefällt. Vor dem Stuttgarter Landgericht hatte er zudem erklärt, er habe als Marinerichter überall geholfen, »wo irgendeine Aussicht auf Hilfe war«, und dabei Menschen gerettet oder vor harter Strafe bewahrt. Dabei habe er selbst »Leib und Leben« riskiert.

In großen Teilen der Öffentlichkeit wurde damals diese Verteidigung als ein Skandal empfunden. Vor allem im sozialdemokratisch-liberalen Spektrum sah man in Filbinger einen Repräsentanten der »Ewiggestrigen«, der Selbstgerechten und Unbußfertigen. In den linken Milieus galt er als Unperson. Doch selbst seine Freunde aus der CDU befürchteten, durch dessen starrsinnige Rechtfertigungshaltung könnte der »Schatten des NS-Unheils« nun auf die eigene Partei fallen. Doch Filbinger beteuerte immer wieder, er habe keine Schuld auf sich geladen. Nie gab er zu erkennen, dass er seine Mitwirkung als Marinerichter bedauerte oder bereute. Der damalige Oppositionsführer im baden-württembergischen Landtag, Erhard Eppler, attestierte dem CDU-Ministerpräsidenten ein »pathologisch gutes Gewissen«. Die Süddeutsche Zeitung schob nach: »…und ein pathologisch schlechtes Gewissen«.

Wolfram Wette u. a. haben Filbingers zweifelhafte Karriere dokumentiert. Ihre Forschungsarbeiten belegen: Filbinger war an Todesurteilen beteiligt, und er hat selbst Todesurteile gefällt. Er hat in dem militärischen Gewaltapparat des NS-Regimes bestens funktioniert und sich in der Rolle des Militärrichters genauso verhalten, wie es die militärische und politische Obrigkeit des NS-Staates von ihm erwartete. Rolf Hochhuth prägte damals den Begriff des »furchtbaren Juristen«. Diese Juristen beharrten auch nach dem Ende der Hitler-Diktatur........

© The European


Get it on Google Play