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Die Akte Ferda Ataman

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30.06.2022

In der folgenden kritischen Betrachtung der Eignung von Frau Ataman für das vorgesehene Amt liegt der Fokus auf ihrem, in der bisherigen Debatte wenig bis gar nicht beachteten, Buch aus dem Jahr 2019 „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen! (S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main). Hier entfaltet Ataman auf 195 Seiten ihre Sicht als deutsch-türkische Migrantin auf Deutschsein und die einheimischen Deutschen, ein neues „Narrativ“ von Migration und Integration und ihr Verständnis von Rassismus und Diskriminierung.

Für Ataman ist die Frage nach der Identität „in einem Einwanderungsland total zentral“ (46). Hier ist ihr völlig zuzustimmen. Dann aber wendet sie sich gegen jedes Denken und Reden in Kategorien der Abstammung wie Nation, Volk, Ethnie, da diese Kategorien einem „Blut und Boden“-Denken verhaftet seien, Menschen mit Migrationshintergrund vom Deutschsein ausgrenzten und nach wie vor von Teilhabechancen ausschlössen.

„Doch das ´deutsche Volk` ist eine Kopfgeburt, genauso wie die völkische Idee jeder ´Nation` auf der Welt. Streng genommen gibt es auch keine Ethnien – [52] denn auch sie arbeiten mit dem Konzept von Blut und Boden.“ (51f.).

Die Ukrainer, Kurden und Palästinenser, die um ihre Selbstbehauptung als Völker und Nationen kämpfen, würden sich sicherlich für diese Sichtweise bedanken.

Ataman plädiert für ein „neues Selbstbild“ der Deutschen mit den Merkmalen: wehrhafte Demokratie, offene Gesellschaft, d.h. Anerkennung, dass wir ein Einwanderungsland sind. „Unsere Gesellschaft ist von Migration geprägt – und das ist gut so. Was uns [Herkunftsdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund; S-M] vereint, sind die deutsche Sprache, die Gesetze und unsere Verfassung. Gemeinsam sind wir Deutschland.“ (192).

Eine derartige Konstruktion eines neuen „Wir“ kann in keiner Weise zwischen den einheimischen Deutschen (zumindest ihrer Mehrheit) und den Mitbürger*innen mit Migrationshintergrund gemeinschaftsstiftend sein.

Beinhaltet es doch die Aufforderung an die einheimischen Deutschen, ihrer Geschichte bis in das frühe Mittelalter und darüber hinaus und dem in dieser Zeit gewachsenen Zusammengehörigkeitsgefühl abzuschwören. In dieser Geschichte........

© The European


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