We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Gut gemeint, aber schlecht...

2 0 95
18.08.2021

Was, fragt man sich, wären arme Familien eigentlich ohne die Existenz von Freiwilligenagenturen, Suppenküchen (Lebensmitteltafeln bzw. Kindermittagstischen), privaten Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern? Vermutlich noch ärmer, hungriger und schlechter mit lebensnotwendigen Gütern ausgestattet. Insofern darf man den Nutzen karitativer Einrichtungen sowie der Arbeit von Wohlfahrtsverbänden, gemeinnützigen Vereinen und Kirchen für die Bedürftigen nicht kleinreden. Allerdings hat das ehrenamtliche, bürger- oder zivilgesellschaftliche Engagement aus einer gesellschaftskritischen Perspektive auch Schattenseiten. Plötzlich stehen nicht mehr die Armen, sondern die wohlhabenden Almosengeber/innen und reichen Spender mitsamt ihren Marketingkonzepten im Fokus der medialen Öffentlichkeit. Der unermüdliche Einsatz ehrenamtlicher Helfer/innen ermöglicht es außerdem Parlamenten, Regierungen und Verwaltungen, das eigene Versagen im sozialen Bereich zu kaschieren.

Je mehr wohlfahrtsstaatliches Handeln gegen Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts von den Regierungsparteien während der neoliberalen „Reformära“ zurückgedrängt wurde, desto umfassender wurde das Betätigungsfeld für karitatives, bürgerschaftliches bzw. zivilgesellschaftliches Engagement. Einrichtungen wie die Lebensmitteltafeln schossen zu jener Zeit nicht zufällig wie Pilze aus dem Boden. Inzwischen gibt es fast 1.000 Tafeln, deren Dachverband angibt, wöchentlich 1,65 Millionen „Kunden“ zu haben. Ungefähr 30 Prozent davon sind demnach Kinder und Jugendliche, 44 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter und 26 Prozent Senior(inn)en.

Lebensmitteltafeln versorgen Arme mit Grundnahrungsmitteln, wovon besonders Großkonzerne und Handelsketten profitieren, die auf Imagegewinne durch Sponsoring spekulieren, Geld für die Entsorgung unverkäuflicher Lebensmittel sparen und........

© The European


Get it on Google Play