Die Freiheit der Gleichgesinnten: Wenn Empörung die Debatte ersetzt |
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Die Freiheit der Gleichgesinnten: Wenn Empörung die Debatte ersetzt
24. April 2026 | Celine Nadolny
Gefordert wird der offene Diskurs, doch immer seltener wird unterschieden zwischen Person und Position. So wird Meinungsfreiheit zunehmend zum Privileg
„Wie kannst du? Ich folge dir nicht mehr." Das war einer der ersten Kommentare unter einem Beitrag, in dem ich vor wenigen Wochen die Buchempfehlungen einer Frau geteilt hatte, deren politische Biografie polarisiert. Fünf Sachbücher, von denen sie sagt, sie hätten ihr Denken geprägt. Innerhalb einer Stunde war meine Inbox voll. Nicht mit Diskussionen über die Bücher, versteht sich. Mit Empörung über sie.
Ich hatte ihre politische Vergangenheit nicht verteidigt. Ich hatte sie nicht einmal thematisiert. Ich hatte fünf Buchtitel geteilt.
Schon Monate zuvor hatte mir Arnold Schwarzenegger denselben Mechanismus vorgeführt. Ein paar seiner Sätze über Disziplin, harte Arbeit und die Hartnäckigkeit, die jeden Erfolg trägt, brachten mir wütende Nachrichten ein. Schwarzenegger habe in einem politisch völlig anderen Zusammenhang eine Position vertreten, die man ablehne. Also dürfe man von ihm nichts mehr lernen. Auch nicht über Disziplin. Auch nicht über harte Arbeit. Über gar nichts.
Drei Dinge, die permanent vermischt werden
Im Grunde genommen geht es um drei Vorgänge, die sauber auseinandergehalten werden müssten, will man nicht in Beliebigkeit verfallen.
Eine Meinung inhaltlich abzulehnen, ist Demokratie. Ich halte das, was Sie sagen, für falsch ist der Kernsatz jeder........