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Claus Weselsky nervt wieder...

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01.09.2021

Da ist dieses leicht hämische Lächeln, als Claus Weselsky das erste Mal in diesem Jahr vor die Kameras tritt. Es ist an diesem 24. Juni klar: Der nächste Bahnstreik kommt, die Menschen werden ihre Ferien verschieben müssen, andere kommen nicht zur Arbeit, Chaos an den Bahnhöfen bricht aus. Dann verkündet der Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL knallhart mit der üblichen, etwas befremdlichen, weil unzeitgemäßen Klassenkampf-Rhetorik: Man werde erst einmal alle Mitglieder in einer Urabstimmung befragen. Damit war klar: Gestreikt wird, aber es dauert noch mal ein paar Wochen, bis ausgezählt ist. Anfang August ging es dann zur Sache: einige Tage Streik zum Ende einer Woche, dann ein paar Tage Streik am Anfang einer Woche. Inzwischen läuft die dritte Streikrunde – diesmal fast eine ganze Woche lang.

Dass in einigen Bundesländern der ferienverkehr noch rollt, dass Deutschland nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie gerade wieder aufatmet, die Wirtschaft sich langsam erholt, dass Regionen im Westen im Hochwasser zerstört wurden – für Claus Weselsky kein Grund, nicht zu streiken. Wenn man danach ginge, sagt er, sei nie der richtige Zeitpunkt für einen Streik.

Der Gewerkschaftschef geht systematisch vor. Kleine Schritte, nerven, dabei immer klar machen, dass noch mehr drin ist. Zermürbungstaktik nennen es die einen, Erpressung eines Staatskonzerns die anderen. Die GDL fordert ein besseres Angebot. Die Bahn bessert nach. Weselsky lehnt ab. Dann Streik und Forderung nach einem besseren Angebot. Und so weiter.

Kompromisslos in der Sache sei Weselsky, hört man immer wieder. Das bedeutet: Er will gewinnen. Das bedeutet auch, dass er erst aufhört, wenn die Gegenseite, von Tarifpartnern würde er wohl eher nicht reden, kapituliert. Wobei: Weselsky würde vermutlich sagen, der Bahnvorstand habe endlich eingesehen,........

© The European


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