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Das letzte Reservat des...

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11.06.2021

Es ist 2021. Angela Merkel ist die einflussreichste Frau Deutschlands und Feminismus wird inzwischen großgeschrieben. Die Europäische Union wird mit Ursula von der Leyen von einer Frau geführt, und als oberste EZB-Geldhüterin des Kontinents hat Christiane Lagarde auch eine letzte Bastion der Männerherrschaft erobert – die Welt des Geldes. In allen Lebensbereichen Deutschlands gewinnen Frauen endlich an Bedeutung – nur nicht in der großen Malerei.

Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz, Anselm Kiefer – die deutschen Malerfürsten haben Weltklasse. Aber sie bleiben männlich unter sich. Auf dem Umsatz- und Reputationsrankings der Kunstmarktmedien sind unter den 100 wichtigsten Malern nur eine Handvoll Frauen auf hinteren Plätzen. Das Manager Magazin ermittelte 2018 einen sogenannten „mm-Kunstindex“, der zeigte, dass unter den 50 gefragtesten Malern keine einzige Frau vorkomme. Die Werke von Frauen spielen bei den großen Auktionen kaum eine Rolle. Ob in New York, Berlin oder Basel: Rund zwei Drittel aller Galerien vertreten mehr Männer als Frauen. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ist in weiter Ferne. Offensichtlich lassen sich Kunstwerke von Frauen schlechter verkaufen als Kunstwerke von Männern. Georg Baselitz behauptet sogar frech und falsch: „Frauen könnten nicht so gut malen“. Der Kunstmarkt lüge nicht.

Auch der Blick in die Vergangenheit ist emanzipatorisch eine einzige Enttäuschung: Längst verstorbene Künstler wie Pablo Picasso, Vincent van Gogh oder Leonardo da Vinci gehören bis heute zu den beliebtesten und teuersten Malern der Welt. Letzterer hat mit „Salvator Mundi“ auch das teuerste Bild aller Zeiten gemalt – ganze 450 Millionen Dollar erzielte es 2017 bei einer Auktion von Christie`s. Und auch die seither treuersten Kunstwerke stammen aus Männerhand: Jeff Koons „Rabbit“ hat einen Wert von 91,1 Millionen Dollar. Auch das teuerste Digitalkunstwerk der Welt „Everydays: The First 5000 Days“ von Beeile alias Mike Winkelmann ist von einem Mann und bringt es auf beeindruckende 69 Millionen Dollar. Das teuerste Gemälde aller Frauen dagegen wurde für 44,4 Millionen Dollar verkauft: Es handelt sich um „Jimson Weedl White Flower No.1“ von Georgia O´Keeffee. Und der Megadeal fand bereits vor sieben Jahren statt.

Über Jahrhunderte wurde die Kunst der Frauen in den Hintergrund gerückt. Erst seit knapp 100 Jahren dürfen Frauen überhaupt Kunst studieren. 1919 wurden die ersten Frauen zu Kunstakademien zugelassen. Trotzdem ist verblüffend, wie langsam........

© The European


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