Der Streamer auf dem Strommast und der Tod der Subkultur
A ls ein Freund auf einen Strommast kletterte, um oben jemanden zu tätowieren und davon ein Reel bei Instagram hochzuladen, dachte ich mir nur: Okay, bitte bleib am Leben! Er ist Tätowierer, braucht Kund:innen, und die erreicht man nicht mehr mit dem größten Zeichentalent, sondern mit dem besten Content.
Parasoziale Beziehung aufbauen als Geschäftsmodell, ergibt ja Sinn und ich kann’s ihm nicht verübeln. In einem Teil des Tattoo-Games bedeutet das auch: Wer die krasseste Aktion durchzieht (und dokumentiert), den will man kennenlernen, und von dem lässt sich am Ende auch was stechen.
Weil das viele so machen, müssen die Aktionen immer krasser werden, um aufzufallen. Viele kreative Einzelkämpfer:innen sind zu Content-Creatorn geworden. Oft geht es um Inhalte, die von Subkulturen und Grenzerfahrungen erzählen. Maskierte, die mit dem Güterzug durch Marokko fahren, eine U-Bahn in Mexiko besprühen, Tunnel........
