Was die Sprache über unser Denken verrät: Alexandra Wuttke setzt sich für mehr Würde im Alter ein |
Sogar am Sonntagabend lässt ihr Thema sie nicht los: beim Tatort. „In einer Folge sprach man von Demenzkranken, Leidenden und Betroffenen“, fasst Alexandra Wuttke zusammen. Diese Begriffe hält sie für problematisch und für einen Teil der Misere. Menschen im Alter würden diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gerückt.
Wird Psychotherapie bei Altersdepression in Anspruch genommen?
Viele Studien habe man mit 18- bis 65-Jährigen gemacht. Diese Daten übertrage man auf ältere Menschen. Beispiel Psychotherapie: Im Alter zwischen 80 und 90 Jahren würden nur 0,2 Prozent der Menschen mit Depression eine ambulante Psychotherapie in Anspruch nehmen. Mit über 90 Jahren gar niemand. Stattdessen würden Senioren viel mehr Medikamente verschrieben bekommen. Auch Alkoholkonsum nehme zu. Bei ihrem Vortrag im Saal der Pfarrei St. Josef belegt die Professorin ihre Aussagen mit Diagrammen, die zeigen, in welche Richtung sich das Leben im Alter entwickelt.
Auch eine Form von Altersdiskriminierung
Man habe lange gedacht, Senioren wollen keine Psychotherapie. „Aber das stimmt nicht. Menschen sind offener geworden“, so die Wissenschaftlerin, die seit eineinhalb Jahren in Konstanz forscht, lehrt und therapiert. Viele Hausärzte kämen nicht auf die Idee, dass man einem betagten Menschen eine Psychotherapie empfehlen könnte. Und auch Psychotherapeuten hätten nicht viel Kontakt mit Senioren. Dazu Wuttke: „Das hat auch mit Altersdiskriminierung zu tun. Man denkt: Das lohnt sich nicht mehr.“ Selbst manche Studierende würden mit „ja“ antworten, wenn man sie fragt, ob es für Psychotherapie eine Altersgrenze gebe.
Alexandra Wuttke ist in ein Forschungsprojekt involviert, das dort ansetzt. Zwei Gruppen von Studenten bekommen Arbeitsmaterial zum Thema Demenz. Bei der einen Hälfte ist die Rede von „Demenzkranken“. Bei der anderen Hälfte von „Menschen mit Demenz“. Es wird sich zeigen, ob die Studenten einen leichteren Zugang finden, wenn man von „Menschen mit Demenz“ spricht.
Seniorenbüro freut sich über rund 100 Zuhörer
Beim Vortrag wurde diese Broschüre empfohlen: Sprachleitfaden Demenz. Wie sprechen wir über Demenz in einer angemessenen Weise? Unter anderem erwähnte die Referentin auch die Validation als gute Kommunikationsform bei Demenz. Daneben gibt es noch viele andere Möglichkeiten für einen guten Umgang mit Demenz. Micaela Ritter vom Seniorenbüro der Stadt Singen äußert: „Wir freuen uns, dass das Thema auf ein so großes Interesse gestoßen ist. Mit knapp 100 Anmeldungen hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Dank der tollen Räumlichkeiten waren wir in der Lage, flexibel auf den großen Andrang zu reagieren.“
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