Unterseefischern schwimmen die Felchen davon

Einen neuen Tiefststand beim Felchenfang bilanzieren die Berufsfischer von der Reichenau und der Höri fürs Jahr 2025. Mit 23.219,6 Kilogramm der beliebten Bodensee-Fischart wurde der bisherige Tiefstwert von 2023 (24.007) noch einmal unterboten. Schon seit 2022 liegen die Felchenfänge unter der 30.000-Marke.

Zum Vergleich: In den Jahren 2017 bis 2021 lagen die Ergebnisse noch zwischen 60.000 und 45.000 Kilo, davor bei 100.000 und mehr. „Man sieht, dass die Felchen in den letzten Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau sind“, bilanzierte Raphael Gebhard, der zweite Vorsitzende des Fischereivereins Untersee und Rhein, in der Generalversammlung.

Zahl der Fischer gesunken

Gebhard wies in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Abwärtstrend hin: Im Jahr 2015, als 112.739 Kilogramm Felchen gefangen wurden, habe es noch 34 Berufsfischer auf der Reichenau und Höri gegeben. 2025 seien es nur noch 23 gewesen. „Die absoluten Zahlen muss man auch vor dem Hintergrund sehen, wie viele Fischer aktiv sind“, meinte Gebhard. Trotz des Abwärtstrends hoffe man, dass es auch wieder nach oben gehe.

Denn auch bei der Gesamtmenge der Fänge aller Fischarten ist die Tendenz seit einigen Jahren meist rückläufig. 82.719,75 Kilogramm waren es 2025 und damit 5,6 Prozent weniger als 2024. Im Vergleich zum Zehn-Jahres-Schnitt von 2015 bis 2024 ist das sogar ein Rückgang von 23,4 Prozent.

Lediglich in den Jahren 2022 und 2023 hatten die Fischer noch schlechter abgeschnitten. Wobei der Vorsitzende Stefan Riebel erklärte, man könne die Fangmengen nicht gleichsetzen mit den Beständen, die es tatsächlich gebe. So hätten in den vergangenen Jahren viele Fischer gezielt ihre Netze für den Fang der ebenfalls beliebten Kretzer (Barsch) ausgelegt, weil es dabei bessere Ergebnisse gab als beim Felchen.

Bei mehreren Fischarten geht Trend nach oben

Das wiederum führt dazu, dass die Fangmenge bei den Kretzern gestiegen ist, wie Gebhard berichtete. Mit 18.902,1 Kilogramm lag man fast gleichauf mit 2024 und 78 Prozent über dem Zehn-Jahres-Schnitt. Auch beim Wels und Zander habe es steigende Fangmengen gegeben, so Gebhard. Beim Wels waren es mit 3261 Kilogramm 47 Prozent mehr als 2024 und sogar 192 Prozent mehr als im Zehn-Jahres-Schnitt. Beim Zander waren es 2025 und 2024 um die 1500 Kilo; in den Jahren zuvor bewegte man sich hier meist im dreistelligen Bereich.

Die Zahlen wären vermutlich noch schlechter, wenn der Verein nicht mit seiner Fischbrutanstalt zum Erhalt der Bestände beitragen würde. Gebhard leitet diese Einrichtung seit einigen Jahren und berichtete, dass 2025 rund 15 Millionen Felchenlarven ausgebrütet und – teils angefüttert – im See ausgesetzt worden seien. Beim Hecht seien es circa 1,2 Millionen Larven gewesen, bei Aalen seien 83.000 angekauft und ausgesetzt worden. Zudem verfüge er in der Brutanstalt für die Aufbereitung des verwendeten Seewassers in den Tanks nun über eine UV-Anlage zur Reduzierung von Keimen.

Kormoran bleibt ernster Konkurrent

Als einen Grund für den Rückgang sehen die Fischer weiter den Kormoran. Wie Vorsitzender Riebel berichtete, beobachte man seit drei Jahren ein „neues Verhalten“: Jeweils über mehrere Wochen hinweg stürzten sich große Schwärme der schwarzen Vögel gezielt auf heranwachsende Felchen. Es gebe rund 170 Brutpaare von Kormoranen am Untersee, monatliche Zählungen zusammen mit Sportfischern ergaben 600 bis 700 Exemplare.

Prägende Mitglieder verstorben

Ein besonderer Moment in der Generalversammlung war das Totengedenken. Denn mit Werner Keller und Herbert Koch hat der Fischereiverein im Herbst 2025 zwei Mitglieder verloren, die den Verein über Jahrzehnte geprägt hätten, so der Vorsitzende Stefan Riebel: „Ihre Leistung kann man nicht hoch genug anerkennen.“ Mit Theresia Böhler ist auch die bisher einzige Fischerin am Untersee verstorben. Riebel konnte Armin Dummel zum neuen Ehrenmitglied ernennen, weil dieser 70 Jahre alt geworden ist.

Daher hofft Riebel auf das kürzlich gestartete internationale Interreg-Projekt Fischartenschutz und Kormoranmanagement, an dem alle Anrainerländer des Sees beteiligt sind – auch wenn dabei der Schwerpunkt auf dem Artenschutz liege und die wirtschaftlichen Interessen der Fischer keine Rolle spielten. Das betonte auch Jasminca Behrmann-Godel, die Fischereireferentin im Landwirtschaftsministerium. Die Regulierung der Kormoranbestände ist aber sehr wohl ein Baustein des Projekts. So sollen mit Drohnen Kormoraneier in Nestern eingeölt werden, sodass die Jungen nicht schlüpfen.

Kassierer Stefan Keller berichtete in der Generalversammlung von einem positiven Ergebnis in der Kasse 2025. Reichenaus Bürgermeisterstellvertreter Ralf Blum betonte die Bedeutung des Erhalts dieses Berufsstands. „Die Fischerei gehört zur Reichenau.“

Thomas Zoch Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

78467 Konstanz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Fischereiverein Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier