6,16 statt 4,49 Euro: So teuer wird das Kindermenü im Schnellrestaurant - aber nur in VS

Zu viel Bürokratie, ein finanzielles Strohfeuer für die Stadt und Kunden, die am Ende die Zeche zahlen: Die geplante Verpackungssteuer in Villingen-Schwenningen sorgt weiter für Wirbel in VS.

Die Abgabe könnte offenbar sogar eine Millioneninvestition in der Doppelstadt verhindern. Dies zeigte sich jetzt bei einem Pressegespräch zu dem Thema, das die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) mit Vertretern aus der Gastronomiebranche initiiert hatten.

Jörg Deitlaff ist „Mr. McDonalds“ in der Region: Ihm gehören die Schnellrestaurants mit dem großen M in Bad Dürrheim, Donaueschingen und Villingen. Letzteres hat sich in den vergangenen Tagen zum Sorgenkind entwickelt, Deitlaff befürchtet hier hohe Umsatzeinbußen durch die neue Steuer.

In Restaurants in Freiburg, Konstanz und Tübingen, wo es die Verpackungssteuer bereits gibt, seien die Umsätze deutlich zurückgegangen, bestätigte auch Stephanie Wolff, Pressesprecherin von McDonalds Deutschland. Gerade Filialen, die sich am Stadtrand befinden wie das Villinger Schnellrestaurant direkt an der Bundesstraße 33, müssten mit einem Minus von über 20 Prozent klarkommen.

Inhaber Deitlaff rechnet am Beispiel des gerade bei Familien mit Kindern beliebten Happy Meals vor, was auf die Kunden in Villingen bald zukommen könnte: 50 Cent für die Hamburger-Verpackung, 50 Cent für den Getränkebecher, 50 Prozent für die Pommestüte.

Unter dem Strich macht dies 1,50 Euro, auf die noch 19 Prozent Mehrwertsteuer hinzukommen. Statt 4,49 Euro wie beispielsweise in Bad Dürrheim werde das Kindermenü in VS dann 6,16 Euro kosten, sagt Stephanie Wolff. „Bei einer vierköpfigen Familie kommt ganz schön etwas zusammen“, so auch Deitlaff. Die befürchtete Folge: So mancher hungrige Kunde bleibe entweder zuhause oder fahre einfach fünf Minuten weiter ins Schnellrestaurant nach Bad Dürrheim.

„VS sorgt für Bürokratie und steigende Preise“

„Das ist das Gegenteil von guter Wirtschaftsförderung“, sagt auch Philipp Hilsenbek, IHK-Geschäftsbereichsleiter für Standortpolitik. Er rechnet bei Einführung der Verpackungssteuer mit einem deutlichen Kaufkraftabfluss aus V und S in die Nachbargemeinden. „VS sorgt für Bürokratie, steigende Preise und verzerrt den Wettbewerb zwischen den Städten“, kritisiert er. „Entscheidet sich die Stadt bewusst für eine Verteuerung?“

Das Verpackungsrecht in der EU

Anfang 2025 wurde die neue EU-Verpackungsverordnung verabschiedet. Sie beinhaltet neue Berichts-, Nachweis-, Informations- und Quotenpflichten. Verpackungsmüll soll bis 2040 um bis zu 15 Prozent reduziert, das Recycling verbessert und die Wiederverwendung gefördert werden. Die neue Verordnung soll am 12. August 2026 wirksam werden.

„Damit werden wir den Haushalt nicht retten“, glaubt auch Michael Steiger, Wirtesprecher und IHK-Vizepräsident. Die Verpackungssteuer bringe einen enormen bürokratischen Aufwand mit sich - und damit auch einen personellen für die Stadtverwaltung.

Einführung, Veranlagung, Kontrolle: 1,5 Stellen, so Steiger, seien in anderen Städten für die Arbeit rund um die Verpackungssteuer nötig geworden. „Eine Steuer erheben, das hört sich leicht an, aber da steckt extrem viel Arbeit dahinter“, betont Alexandra Schmidt vom Bundesverband der Systemgastronomie (BdS). Städte wie Leipzig, Mannheim oder Dresden seien deswegen nach eingehender Prüfung wieder davon abgekommen, diese Abgabe einzuführen.

Ohnehin, so kritisiert Michael Steiger, sei nicht klar, was nach Abzug der Kosten überhaupt fürs Stadtsäckel übrig bleibe. Für Irritationen sorgten hier Berechnungen aus der Sitzungsvorlage für die Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch, bei der der Haushalt verabschiedet werden soll.

2028 wird mit einer Summe von 200.000 Euro kalkuliert, in den Folgejahren bereits mit 600.000 Euro. „Das ist doch eine Steuer, die sich eigentlich mit der Zeit selbst abschaffen sollte“, wundert sich Michael Steiger. Man rechne nicht mit steigenden, sondern mit deutlich sinkenden Einnahmen angesichts der Verpackungssteuer, kann auch Alexandra Schmidt die Zahlen nicht nachvollziehen.

Geht die Millionen-Investition nach Bad Dürrheim?

Für VS könnten die neuen Kosten für Kaffeebecher und Co. zudem negative Folgen in Sachen Investitionen haben. Beispiel McDonalds in Villingen: Eigentlich plane man, das in die Jahre gekommene Restaurant für über 1,5 Millionen Euro komplett umzubauen und auf den neuesten Stand zu bringen, berichten Jörg Deitlaff und Sohn Kim. Unter anderem sollte es eine zweite Drive In-Spur geben.

„Mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit werden wir diese Entscheidung zurückziehen, wenn die Verpackungssteuer kommt“, stellt Jörg Deitlaff klar. Möglicherweise werde dann eben in Bad Dürrheim investiert - wo der Inhaber wegen der neuen Steuer in VS mit deutlichen Zuwächsen rechnet.

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