Nachhaltigkeit steht im Fokus: Unglaublicher Andrang bei der Gebrauchtwarenbörse in Meßkirch

Bereits seit einem Jahrzehnt erfreut sich die jährliche Gebrauchtwarenbörse in der Zimmernstadt großer Beliebtheit, was an dem riesigen Andrang zu sehen war.

Obwohl sich die Tore der Stadthalle erst um neun Uhr öffneten, standen nach Aussagen von Organisatorin Sieglinde Danner bereits schon um sieben Menschen mit Sack und Pack vor der Tür. Schon in aller Herrgottsfrühe waren Sieglinde Danner, ihre Mitorganisatoren von der Meßkircher Freikirche der Mennoniten, Schüler, Eltern und Lehrkräfte der Goldösch-Schule sowie der Hausmeister der Stadthalle, Stephan Vonnier, auf den Beinen, um alles für den Ansturm vorzubereiten.

Auch beim Abgeben der Artikel herrscht großer Andrang

Bereits in den Tagen zuvor war ein Heer von Helfern zugange, um beispielsweise Schilder für die unterschiedlichen Warensegmente zu malen, Kuchen zu backen, Tische aufzustellen und vieles andere mehr. Der erste Höhepunkt der sinnvollen Tauschbörse ließ bereits am Freitagnachmittag staunen. Auch da strömten Massen von Leuten, beladen mit Kisten, Taschen und Kartons, Richtung Halle, um Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, abzugeben. "Der Zweck dieser Aktion ist die Müllvermeidung, die von der örtlichen evangelischen Freikirche in Zusammenarbeit mit der Goldösch-Schule und der Stadt Meßkirch veranstaltet wird", erläuterte Sieglinde Danner. Am Vortag können nicht mehr benötigte, aber intakte Sachen abgegeben werden.

Am Tag darauf kann jedermann gegen eine kleine Eintrittsgebühr jene Dinge mitnehmen, die er gebrauchen kann. "So viel, wie eine Person tragen kann", so Danner. "Das ist eigentlich die Regel". Dass diese Regel gern umgangen wird, konnte ein neutraler Beobachter mit eigenen Augen sehen. Ganze Sippen stürmten mit Kind und Kegel gleich nach Saalöffnung die Halle, jeder mit großen Säcken und Taschen bewaffnet, um die besten Stücke zu ergattern, wie beispielsweise Elektrogeräte.

Die Frage an eine in dunkle lange Kleidung gehüllte Frau, einen schweren Karton vor sich herschiebend, gefüllt mit Geschirr, Vasen und Pflanzenübertöpfe, was sie denn mit dieser großen Mengen an Gefäßen vorhabe, beantwortete sie mit einem großen Haushalt. "Ich dekoriere gern nach Farben sortiert." Am Ausgang und den Nebeneingängen hatte Danner Helfer postiert, um zu verhindern, dass hier unkontrolliert Ware außer Haus gebracht wird, wie das in der Vergangenheit oft der Fall war. "Wir sind wirklich froh um jeden Gegenstand, der neue Besitzer findet", erläuterte Danner, "aber gewisse Regeln sollten von allen eingehalten werden."

Alle finden etwas Schönes

Im Gedränge gab es aber auch viele Menschen, die ohne Gier und Hast ruhig die Gegenstände auf den Tischen begutachteten und manchmal auch fündig wurden. So wie Petra, die ihren Nachnamen nicht nennen mochte. "Das Prachtstück habe ich gefunden!" Sie hielt strahlend eine mit einem Strahlenkranz geschmückte Wanduhr hoch – die beiden haben sich ganz offensichtlich gesucht und gefunden.

Auch die kleine Lena und ihr Bruder Niklas, die mit ihrer Großmutter Anita Strobel in dem riesigen Warenangebot gestöbert hatten, zeigten mit Hüpfball und Puzzle stolz ihre Schätze.

"Ich komme jedes Jahr hierher", sagte Anita Strobel. "Das ist wirklich eine sinnvolle Geschichte. Statt etwas wegwerfen einfach weitergeben!" Gerade beim Kinderspielzeug sei das eine feine Sache. Auffallend war, dass auch die Büchertische gefragt waren. Dort wurde ständig gestöbert, geschmökert und eingepackt. "Offensichtlich gibt es immer noch Menschen, die Bücher lesen", meinte eine Helferin verschmitzt mit Blick auf einen vom Suchen erschöpften Besucher, der sich bei der Cafeteria der Goldösch-Schule niedergelassen hatte - nicht mit Buch, aber mit Handy.

"Auf jeden Fall schlagen wir mit dieser Aktion mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe", so die Helferin. Zum einen trage diese Aktion nicht nur dazu bei, eine große Müllmenge zu vermeiden, zum anderen gebe sie anderen Menschen die Möglichkeit, sich kostenlos mit Dingen einzudecken, die sie sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht leisten können oder wollen. Dazu kommt, dass der Erlös der Veranstaltung der Jugend der Goldösch-Schule zugutekommt. Damit soll gewährleistet werden, dass alle Kinder, auch jene aus nicht so gut gestelltem Elternhaus beispielsweise an Schulausflügen oder Schullandheimaufenthalten teilnehmen können. Damit für diese Zwecke etwas mehr als die Eintrittsgelder zusammenkommen, haben die Schülerinnen und Schüler dieser Schule die Bewirtung mit ihrer Cafeteria übernommen.

Eine besondere Schule

Die Goldösch-Schule Meßkirch ist ein Erziehungs- und Lernort, an dem die Schüler besondere Zuwendung, Förderung und Anerkennung erfahren. Im Mittelpunkt steht die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Bildung eines positiven Selbstkonzeptes und die intensive, individuelle Förderung der Lernkompetenzen und Vermittlung von Lerninhalten. Durch die kontinuierliche Kooperation mit Regelschulen im Umkreis soll eine Rückbeschulung in das Regelschulsystem möglich sein. Ein weiterer Schwerpunkt ist die intensive Vorbereitung auf die (berufs-)schulische Welt nach dem Verlassen der neunten Klasse der Förderschule.

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