Neues Stück Stadt mit Potenzial: Im Gewerbezentrum Wehra wird bereits gebaut
Der Start der Bauarbeiten im Gewerbezentrum Wehra markiert einen Wandel für die Stadt Wehr. Im rund 23.000 Quadratmeter großen Gewerbezentrum Wehra wird sich in den nächsten Jahren viel verändern. Aus einem bislang gewachsenen Gewerbestandort wird ein Gebiet mit neuen Nutzungsmöglichkeiten sowie neuen Wohnungen. Der geänderte Entwurf zum Bebauungsplan Gewerbezentrum Wehra im beschleunigten Verfahren wurde den Gemeinderäten von der Stadtbau Lörrach und dem städtischen Bauamt nochmals vorgelegt und festgezurrt. Bei der jüngsten Ratssitzung verfolgten die Geschäftsführer des Gewerbezentrums Wehra, Christoph und Wolfgang Eckert, als Zaungäste das Geschehen.
Ausschluss von Tankstellen und Vergnügungsstätten
Mit der Änderung des Gewerbegebiets zum teilweise urbanen Mischgebiet aus Wohnen und Arbeiten verfolgen Christoph und Wolfgang Eckert gemeinsam mit der Stadtbau Lörrach und der Stadt Wehr zwei Ziele. Zum einen sollen die bestehenden kleinteiligen Gewerbestrukturen am Standort gesichert und zusätzlich dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden. Und obwohl eine Tankstelle dem Gewerbezentrum aufgrund der Lage und der umliegenden Anwohnerdichte gut stünde, sind Tankstellen planungsrechtlich nicht mehr zulässig. Ebenso seien Vergnügungsstätten wie Spielhallen verboten.
Der Bebauungsplan im Gewerbegebietsteil schließt nach wie vor das Bauen von Wohnungen für Betriebsleiter und Inhaber aus. Begründung: da direkt angrenzend ein urbanes Gebiet, in dem Wohnen zulässig ist, entstehen soll, ergibt sich der Bedarf für Wohnen im Gewerbegebiet nicht.
Gewerbe und neuer Wohnraum
Für die Stadtentwicklung ist diese Aufteilung von gewerblicher Nutzung und Wohnen entscheidend und markiert eine wichtige Weichenstellung. Denn unter stadtentwicklungsrelevanten Gesichtspunkten entsteht auf dem Gelände mitten in Wehr ein neues Stück Stadt und verknüpft brachliegende Fläche sinnvoll. Für umliegende Anwohner und potenzielle Neumieter kann das vorteilhaft sein. So kann durch urbanen Charakter Fläche belebt werden, auch außerhalb der Arbeitszeiten. Zwischen 24 und 28 Wohneinheiten sollen im Mischgebiet entstehen. Vorgesehen ist dabei eine Bebauung, bei der die unteren Geschosse gewerblich – zum Beispiel für Schank- und Speisewirtschaften – genutzt werden und Wohnungen in den oberen Stockwerken liegen sollen.
Die Wohnungen sollen laut neuem Entwurf mit 1,5 Stellplätzen pro Wohneinheit ausgewiesen werden, da die ÖPNV-Anbindung schlecht sei. Laut Begründung soll so außerdem ausgeschlossen werden, dass in angrenzenden Wohnstraßen geparkt werde. Dazu war es notwendig, die offene Bauweise und Baugrenzen festzusetzen, um Garagen und Stellplätze nah an Gebäuden zu platzieren.
Der größere Teil des Areals entlang der Wehra mit rund als 63 Prozent bleibt Gewerbegebiet. Hier ist nach wie vor die Ansiedlung von Betrieben und Einzelhandel erwünscht. Im Gewerbegebiet sind weiterhin Gewerbebetriebe aller Art wie Lagerhäuser und Lagerplätze, Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Anlagen für sportliche Zwecke gern gesehen. Ebenso wünschen sich die Geschäftsführer die Nutzung aus sozialen, medizinischen oder kulturellen Bereichen.
Neu ist, dass künftig innenstadtrelevante Sortimente wie Lebensmittel, Getränke, Apothekendienste, Bücher, Bekleidung, Schuhe angeboten werden können. Dieses Angebot darf aber 15 Prozent der jeweiligen Gesamtverkaufsfläche nicht überschreiten. Nicht zentrumsrelevante Sortimente wie Flechtwaren, Gartenbedarf oder Fahrräder seien unbeschränkt und ohne Auflage möglich. Die Regulierung zentrumsrelevanter Ware gilt auch für das geplante urbane Mischgebiet entlang der Industriestraße, wo Wohnen und Arbeiten möglich werden soll. Die ersten Rohbauarbeiten neben dem unter Denkmalschutz stehenden vierstöckigen Bürogebäude finden bereits statt.
Untersuchung von Schadstoffbelastung
Bedenklich ist die Fläche neben der Autowerkstatt La Macchina. Da, wo im August des vergangenen Jahres unter anderem der Wehra-Schornstein der ehemaligen traditionsreichen Teppich- und Möbelstoffmanufaktur Wehra AG abgerissen wurde. Die Fläche ist als Altlasten Typ B ausgewiesen, deren Böden erheblich mit umweltgefährdenden Stoffen belastet sein sollen. Das Erdreich müsse demnach vor der Entsorgung untersucht werden. Eine Untersuchung der bereits abgerissenen Bausubstanz ergab jedoch keine Grenzwertüberschreitungen bei Schadstoffen wie Asbest.
Wichtige Weichenstellung
Letztlich kann der neue Bebauungsplan ein Versuch sein, das Gewerbezentrum Wehra neu zu ordnen, ohne es umzukrempeln. Der Standort bleibt mehrheitlich Gewerbegebiet, bekommt aber mit dem urbanen Gebiet eine Fläche, in dem Wohnen und Arbeiten bewusst gemischt werden. Zwei Enthaltungen gab es zur Beschlussvorlage. Im April werde der Bebauungsplan verabschiedet, hieß es am Abend in der Sitzung.
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