DJ Ötzi ist überzeugt: „In meiner Partymusik steckt mehr, als man denkt“
Gerry, wird Österreich bei der Fußball-WM eine gute Rolle spielen?
DJ ÖTZI: Ich bin da relativ optimistisch. Wir haben mit Ralf Rangnick einen super Trainer und eine Vorrundengruppe, in der wir eine echte Chance haben. Algerien wird schwierig, gegen Argentinien können wir mit viel Glück vielleicht einen Punkt mitnehmen, Jordanien sollten wir schlagen. Ja, und dann ist zwar alles möglich, allerdings warten in der nächsten Runde wahrscheinlich die Spanier auf uns.
Sind Sie selbst als Fußballer aktiv?
DJ ÖTZI: Ich habe sehr lange Hallenfußball mit Freunden gespielt, jeden Mittwoch haben wir uns getroffen. Seit ein, zwei Jahren spiele ich jedoch nicht mehr. Jetzt ist eher Golf mein Sport.
Ist vermutlich altersgerechter.
DJ ÖTZI: So ist es. Ich liebe es, mich zu bewegen und Sport zu machen, aber ich bin nicht mehr der Schnellste. Golf spiele ich schon seit 25 Jahren, auch da mag ich das Gesellige mit Freunden sehr gern. Und ich gehe natürlich immer noch regelmäßig Skifahren.
Und bei der Einkehr auf der Hütte hören Sie dann Ihre eigenen Hits. Wie ist das?
DJ ÖTZI: Ach, das bin ich gewohnt. Selbst, wenn ich in den USA in ein Stadion gehe, höre ich als erstes „Hey Baby“. Meine Lieder werden wirklich auf der ganzen Welt gespielt. Dass allerdings diesen Winter „Tirol“ so brutal abgeht, damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Der Song ist 13 oder 14 Jahre alt, und plötzlich wird der so erfolgreich, egal, ob beim Karneval, auf den Skihütten oder in den Clubs.
Der Song ist quasi die Tiroler Version der 80er-Jahre-Nummer „Down Under“ von Men At Work. Was ist da passiert, dass das jetzt so ein Hit geworden ist?
DJ ÖTZI: Wir haben eigentlich nur einen kleinen Beitrag auf TikTok gemacht, wo sich Millionen meiner Fans tummeln. Und dann ist die Jugend darauf steilgegangen. Menschen, die noch nicht mal auf der Welt waren, als der „Anton aus Tirol“ rauskam. Ein wahnsinnig tolles Gefühl. Vielleicht spielt der Zeitgeist eine Rolle. Ich bin sehr heimatverbunden. Tirol ist für immer in meinem Herzen tätowiert. Da bringt mich nichts weg.
Was ist das Spezielle am Ötztal?
DJ ÖTZI: Das Ötztal gilt als eher abgeschlossene Region – und genau diese Abgeschiedenheit hat über Generationen hinweg einen besonders starken Zusammenhalt unter den Menschen gefördert. Ich bin froh, dass ich weiß, wo ich herkomme. Und ich bin überzeugt, dass man stärker ist, wenn man feste Wurzeln hat. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit ist für mich etwas sehr Wertvolles. Und offenbar sehen das auch viele junge Menschen so, die den Song lieben.
Ist TikTok für einen 55-jährigen Künstler das passende Medium?
DJ ÖTZI: Du musst dich in meiner Branche breit aufstellen. Ich kann jetzt nicht sagen, ich mache kein TikTok, weil ich stur bin, sondern ich möchte mich dem Neuen gegenüber offen zeigen. Wenn du nicht mit der Zeit gehst, dann gehst du mit der Zeit. Und ich will mit meiner Musik ja logischerweise möglichst viele unterschiedliche Menschen erreichen.
Wie viele Generationen haben Sie mittlerweile im Publikum?
DJ ÖTZI: Bestimmt drei. Viele Fans wachsen mit, und viele kommen neu dazu. Es ist schon großartig, so viele Leute über so eine lange Zeit zu begleiten. Ich mache Musik für alle. Und ganz ehrlich: So alt fühle ich mich mit 55 noch nicht. Das ist ein gutes Alter.
Wie schauen Sie heute auf Ihre Karriere?
DJ ÖTZI: Mit großer Dankbarkeit. Das ist schon ein Wahnsinn, was ich da hingelegt habe. Gleichzeitig reflektiere ich viel, arbeite an mir, lerne sehr viel dazu. Ich bleibe nicht stehen und ruhe mich aus. Auch ich habe einen Rucksack aus meiner Vergangenheit zu tragen, aber ich tue das ohne Groll. Ich habe viele Dinge von früher aufgearbeitet und abgeladen, sodass sie mich nicht mehr belasten. Ich kann und will ja nicht in meiner Vergangenheit leben, sondern will im Jetzt da sein.
Sie sind 2017 mit gesundheitlichen Problemen und Selbstzweifeln im Gepäck den Jakobsweg gelaufen. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?
DJ ÖTZI: Ich bin zu mir gekommen. Gehen ist ja ohnehin sehr meditativ, mir hat das geholfen, ruhiger zu werden, zu reflektieren und einfach mal loszulassen. Wer sich selbst spüren will, dem kann ich den Jakobsweg wirklich nur empfehlen.
Stört es Sie, dass Sie für viele nur ein Partysänger sind?
DJ ÖTZI: Mich stört es nicht, wenn mich Menschen in eine Schublade stecken. Mich würde es aber stören, wenn ich mich selbst in diese Schublade begeben würde. Und selbst in meiner Partymusik steckt mehr, als man denkt. Wenn alle Texte mitsingen wie „Ich bin so schön, ich bin so toll“, dann sagen sie das ja auch zu sich selbst und bekommen vielleicht ein ganz anderes Bewusstsein.
DJ Ötzi (55, bürgerlich Gerhard „Gerry“ Friedle), ist ein österreichischer Pop- und Partyschlagersänger. Er wurde in den 90ern bei einem Karaoke-Wettbewerb entdeckt und gilt mit über 16,5 Millionen verkauften CDs heute als einer der erfolgreichsten Musiker aus dem deutschsprachigen Raum. Mit „Anton aus Tirol“ (1999) und „Ein Stern“ (2007) hatte er in Deutschland Nummer-eins-Hits. Gerade ist sein Album „ÖHA“ erschienen. Friedle ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Die Familie lebt in Salzburg.
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