Özdemirs Wahl: Die Ausnahme, die längst Alltag sein könnte |
Es war am Wahlabend, als schon ziemlich sicher gelten konnte, dass Cem Özdemir Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden würde. Er sagte: „Ich denke gerade an meine Eltern da oben, die als Arbeiter nach Deutschland gekommen sind, sich als sogenannte Gastarbeiter in Bad Urach, im Herz der schwäbischen Alb kennen und lieben gelernt haben. Und ein Produkt dieses Prozesses bin ich.“ Insofern, fuhr er fort, sei das vielleicht eine Ermutigung für all die anderen, die sich fragten, kann ich das auch? Die Antwort schob er mit verschmitzten Grinsen gleich hinterher: „Ihr könnt das auch.“
Ist das so? Wie viele Kinder, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert oder hierher geflüchtet sind, schaffen es wirklich nach ganz oben? Dass der anatolische Schwabe Özdemir in 77 Jahren Bundesrepublik Deutschland der erste designierte Ministerpräsident mit Migrationsgeschichte ist, spricht für sich.
Özdemirs Wahl macht Mut, sagt der Soziologe Rauf Ceylan
Trotzdem macht seine Wahl Zugewanderten und ihren Kindern Mut. Das sagt etwa der Soziologe Rauf Ceylan, der selbst aus einer sogenannten Gastarbeiterfamilie stammt: „Unabhängig von der Partei-Orientierung hat seine Wahl in Deutschland und international eine große........