Krieg im Iran: Wie teuer kommt die Energiekrise Bayerns Wirtschaft? |
Die bayerische Wirtschaft ist und bleibt vom Iran-Krieg „erheblich“ belastet. Besserung ist zunächst nicht in Sicht. Die nächsten drei Monate würden „besonders schwierig“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Durch die sprunghaft gestiegenen Öl- und Gaspreise stehen insbesondere energieintensive Branchen sowie transportabhängige Wertschöpfungsketten unter enormem Druck“. Die Inflation sei bereits auf 2,7 Prozent gestiegen, das dämpfe Konsum und Umsätze im Einzelhandel. Problematisch könne auch die Stabilität internationaler Lieferketten werden, erläutert Brossardt weiter: „Zum einen ist die Golfregion ein für Bayerns Unternehmen wichtiger Umschlagplatz im Welthandel, zum anderen drohen in Asien wegen des Energieengpasses Produktionsbeschränkungen bei Vorprodukten.“ Die gestörten Handelsrouten und die gestiegenen Energie- und Transportkosten hätten unmittelbare Auswirkungen auf die Produktion und die Gewinne der Unternehmen. „Das ist in diesen ohnehin herausfordernden Zeiten eine weitere Belastung.“ Bei der IHK Schwaben etwa rechnet man damit, dass die regionalen Firmen aufgrund höherer Kosten und geringerer Nachfrage rund 360 Millionen Euro verlieren könnten.
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Stefan Küpper| 2 Kommentare
Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte am Dienstag seine Prognose für Deutschland nach unten. Für 2026 erwartet die Sonderorganisation der Vereinten Nationen, dass die deutsche Wirtschaft nur noch um 0,8 Prozent wächst. Auch die Zahl der Firmenpleiten ist zum Jahresbeginn laut Statistischem Bundesamt erneut gestiegen. Bereits Ende März hatten rund 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen erwartet, dass der Iran-Krieg ihre Geschäfte beeinträchtigt. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen sagt: „Der Iran-Konflikt wirkt mittlerweile über mehrere Kanäle gleichzeitig auf die Unternehmen. Er dämpft die wirtschaftliche Dynamik spürbar. Je länger er anhält, desto stärker werden sich die Belastungen in Wachstum und Investitionen niederschlagen.“ Er geht davon aus, dass die Zahl der Firmen steigen wird, die ihre Preise erhöhen wollen.
Wie der Logistik-Riese Dachser durch die Energiekrise fährt
Der internationale Logistik-Riese Dachser spürt ebenfalls die Folgen des Iran-Krieges. Zwar konnte für 2025 ein Rekord-Umsatz von 8,3 Milliarden Euro eingefahren werden, wie das Kemptener Unternehmen am Dienstag mitteilte. Aber eine Flotte von 15.000 Lastwagen, die in Europa im Auftrag von Dachser unterwegs ist, benötigt viel Sprit. Dachser-Chef Burkard Eling sagt: „Die Kampfhandlungen im Nahen Osten verknappen die Luft- und Seefrachtkapazitäten, insbesondere auf der Route von Asien nach Europa. Die hohen Preise für Treibstoff verteuern die Transporte zusätzlich und setzen den europäischen Transportmarkt unter erheblichen Druck“. Dass die Bundesregierung die Energiesteuer bei Diesel und Benzin für zwei Monate um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter senken will, bewertet der CEO abwartend. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Eling: „Man muss sehen, wie die Maßnahme überhaupt ankommt. Und sie kann sicherlich nicht langfristig wirken.“ Er fordert von der Bundesregierung Bürokratieabbau und „klare Rahmenbedingungen, verlässlich und langfristig aufgestellt – etwa für die Reduktion von Emissionen“. Dachser will diese im eigenen Unternehmen bis 2030 um 42 Prozent gesenkt haben. Das bedeutet auch: weniger Laster mit Diesel und deutlich mehr mit E-Antrieb.
Auch Horst Ott, der Bezirksleiter IG Metall, fordert von der Bundesregierung, dass sie Unternehmen und Beschäftigte weiter entlastet. Er will einen „sofortigen Ausgleich über die Pendlerpauschale“. Denn: „Wenn wir die Kaufkraft der Menschen stärken, unterstützen wir gleichzeitig die Wirtschaft“. Der Iran-Krieg führe Politik und Wirtschaft zudem deutlich vor Augen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern konsequent verringern zu müssen. „Die Energiewende senkt perspektivisch Kosten und Abhängigkeiten und sichert so Beschäftigung.“
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