Auswandern nach Österreich als Rentner: Hat man dort Vorteile?

Im Ruhestand auszuwandern, ist für viele Deutsche eine verlockende Vorstellung. Rund 250.000 deutsche Rentnerinnen und Rentner haben diesen Schritt gewagt, das zeigen die Zahlen im Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung. Doch die beliebtesten Ziele sind nicht die Schweiz oder die USA – auch nicht Spanien oder Italien. 

Auf Platz eins liegt das Alpenland Österreich. Dort erhielten Ende 2024 insgesamt 30.482 Personen Rentenzahlungen aus Deutschland. Das Nachbarland bietet Ruheständlerinnen und Ruheständlern einige Vorteile, etwa im Gesundheitsbereich – finanziell bringt ein Umzug allerdings meist keine Entlastung, eher das Gegenteil.

Auswandern nach Österreich: Gibt es steuerliche Vorteile für Rentnerinnen und Rentner?

Steuerliche Vorteile durch die Auswanderung nach Österreich darf man im Normalfall nicht erwarten. Die deutsche Rente wird nur in Deutschland besteuert, informiert die E-Government-Plattform der österreichischen Bundesverwaltung. Österreich kann die Werte aber für die Berechnung des eigenen Steuersatzes heranziehen. Das ist der Fall, wenn man in Österreich zusätzlich steuerpflichtige Einkünfte hat, etwa eine österreichische Pension, Mieteinnahmen oder einen Nebenjob. Der Steuersatz in Österreich kann dadurch also höher ausfallen.

Man erhält eine deutsche Rente von 13.200 Euro im Jahr. Diese Rente wird nicht in Österreich, sondern in Deutschland besteuert. Zusätzlich hat man in Österreich 14.000 Euro pro Jahr aus Mieteinnahmen und einem Minijob. Diese 14.000 Euro müssen in Österreich versteuert werden.

Für den Steuersatz schaut Österreich aber nicht nur auf die 14.000 Euro, sondern berücksichtigt zur Berechnung des Steuersatzes auch die deutsche Rente. Dafür werden Rente und österreichische Einkünfte zusammengezählt, um den passenden Steuersatz zu ermitteln. Hier also 27.200 statt 14.000. Dadurch kann man in eine höhere Steuerstufe rutschen – und zahlt dann auf die 14.000 Euro in Österreich einen höheren Steuersatz.

Wenn man keinen Wohnsitz und keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr in Deutschland hat, ist man laut § 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) nur noch beschränkt steuerpflichtig. Nach § 50 EStG gelten für Rentnerinnen und Rentner im Ausland dann viele Freibeträge und Abzüge nicht, die mit Wohnsitz in Deutschland gelten würden. So fällt etwa der Grundfreibetrag weg, also 12.348 Euro pro Jahr, die in Deutschland nicht besteuert werden. Für Ruheständler im Ausland erhöht das die Steuerlast insgesamt.

Rentnerinnen und Rentner können jedoch beantragen, wie unbeschränkt steuerpflichtig behandelt zu werden, wenn mindestens 90 Prozent der Einkünfte, also etwa die Rente, in Deutschland steuerpflichtig sind und eine Bescheinigung der österreichischen Behörde vorliegt.

Auswandern: Lebt es sich günstiger in Österreich?

Ob das Leben in Österreich günstiger oder teurer ist, lässt sich nicht pauschal sagen, da die Lebenshaltungskosten – wie in Deutschland – je nach Region und Ort stark variieren. Dennoch liegt im EU-Vergleich auf der offiziellen österreichischen Statistikseite das Preisniveau Österreichs über dem Deutschlands. Das zeigt sich auch in den österreichischen Großstädten. Bei der weltweit größten crowd-basierten Online-Datenbank Numbeo schaffen es im europäischen Vergleich Salzburg, Innsbruck und Wien in die Top 30 der teuersten europäischen Städte – in Deutschland nur München. Im Durchschnitt ist daher davon auszugehen, dass das Leben zumindest in Städten in Österreich teuer ist.

Auswandern als Rentner: Welche Vor- und Nachteile gibt es in der Gesundheitsversorgung?

In der Gesundheitsversorgung hat Österreich so einige Vorteile zu bieten. Im Alpenland ist die Lebenserwartung höher. Laut der Wirtschaftskammer Österreich lag sie 2024 in Deutschland bei 78,9 Jahren für Männer und 83,5 Jahren für Frauen. In Österreich betrug sie 79,8 Jahre für Männer und 84,3 Jahre für Frauen. Zudem ist Österreich ein sehr sicheres Land. Laut dem Global Peace Index liegt unser Nachbar auf Platz 3, Deutschland hingegen auf Platz 20.

Der Gesundheitsversorgungs-Index 2025 von Numbeo sieht Österreich im europäischen Vergleich nach einer Einschätzung der allgemeinen Qualität der Gesundheitsversorgung, des medizinischen Personals, der medizinischen Ausrüstung und der Kosten auf Platz zwei. Deutschland auf Platz fünfzehn. Laut dem Public-Health-Index 2025 des AOK-Bundesverbands hat Österreich zwar mit 4745 Euro pro Jahr die zweithöchsten Pro-Kopf-Ausgaben in Europa, liegt aber weiterhin hinter Deutschland mit 5317 Euro. Trotzdem ist die Ärztedichte in Österreich höher, zeigen die aktuellsten Daten von Eurostat aus 2022. Österreich hat 544,6 praktizierende Ärzte pro 100.000 Einwohner, Deutschland rund 458. 

Auch das österreichische Versicherungssystem hat aus Patientensicht Vorteile, liest man in einem Vergleich der deutschen Bundesregierung: Es gibt kein Zwei-Versicherungssystem mit privater Vollversicherung. Alle zahlen in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Dadurch ist die Versorgung tendenziell weniger „Zwei-Klassen“-geprägt. Der Vergleich nennt aber auch Nachteile:

Deutschland ist bei der Kostenübernahme besser. In allen vier Bereichen übernimmt das System in Deutschland einen größeren Anteil der Kosten als in Österreich: bei stationären Leistungen, ambulanten Leistungen, Arzneimitteln und zahnärztlicher Versorgung. In der medizinischen Versorgung punktet Deutschland, laut Eurostat, etwa bei der Anzahl der Krankenhausbetten, mit 766,5 pro 100.000 Einwohner zu 660,4 in Österreich.

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Rente in Österreich oder Deutschland: Wo ist die Lebensqualität höher?

Die Lebensqualität hängt stark von subjektiven Faktoren ab. Wer Berge liebt, wird sich in Österreich vermutlich wohlfühlen. Wer hingegen das Meer bevorzugt, ist in Norddeutschland möglicherweise besser aufgehoben. Außerdem lassen sich länderspezifische Studien zur Lebensqualität oft nur eingeschränkt vergleichen, weil sie mit unterschiedlichen Parametern arbeiten und je nach Land andere Messmethoden verwenden. Ein direkter Vergleich zwischen Deutschland und Österreich ist daher auf dieser Basis nicht zuverlässig möglich.

Für Österreich selbst zeigt sich mit Blick auf Seniorinnen und Senioren laut einer Studie der Medizinischen Universität Wien ein ambivalentes Bild: jüngere Seniorinnen und Senioren sowie die mit höherem Einkommen oder Bildungsgrad, und in westlichen Bundesländern berichten von einer hohen Lebensqualität. Im Vergleich dazu sind sehr alte Menschen, Personen mit niedrigem Einkommen oder chronischen Erkrankungen sowie Bewohnerinnen und Bewohner Ostösterreichs und Wiens eher benachteiligt. Und das, obwohl laut dem Ranking des Economist Wien bereits häufig zu den lebenswertesten Städten der Welt gezählt wurde.

Fazit: Lohnt es sich, in der Rente nach Österreich auszuwandern?

Der Ruhestand in Österreich hat für Rentnerinnen und Rentner also Vor- und Nachteile: Die Lebenshaltungskosten können im Durchschnitt mancherorts höher sein als in Deutschland, und wer in Österreich zusätzliche Einkünfte erzielt, kann durch einen höheren Steuersatz mehr Steuern zahlen. Die Gesundheitsversorgung ist laut Studien gut organisiert und teilweise auf höherem Niveau, allerdings übernehmen deutsche Krankenkassen oft mehr Kosten. Österreich gilt als sehr sicher. Ob die Lebensqualität höher ist, hängt stark von unterschiedlichen, teils subjektiven Faktoren ab.

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