Kritische Werke regen zum Nachdenken an |
Multimedial ist die Künstlerin Hanna Nitsch unterwegs. Ihre Ausstellung „Dance until the End“ in der Bad Säckinger Villa Berberich hat sie mit großen Tuschebildern, Fotografien, Installationen, Skulpturen und Videos bestückt, die den Betrachtern einige Denkanstöße mitgeben.
Mit den Arbeiten von Hanna Nitsch würden Brücken geschlagen zwischen ihrer Kunst und anderen Lebenswirklichkeiten, sagte Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen in seiner Einführung. Die gebürtige Freiburgerin, die in Braunschweig lebt, hinterfragt und überprüft überkommene gesellschaftliche Rollen und die Identität der Frauen.
Van Veen sah Hanna Nitsch „in einer Reihe“ mit weltweit bedeutenden, gesellschaftskritischen Konzept-, Performance- und Aktionskünstlerinnen wie Yoko Ono, Marina Abramovic, die den Schmerz thematisiere, und Yayoi Kusama, die über Unendlichkeit nachdenke.
Beziehungen zwischen den Generationen
Beziehungen zur nächsten und zur Elterngeneration ziehen sich als roter Faden durch Nitschs Rauminszenierungen. In inhaltlich starken, sehr persönlichen Arbeiten setzt sie sich mit drei Künstlerpersönlichkeiten und „Lehrmeistern“ auseinander, die sie stark geprägt haben.
Zum einen Peter Dreher, bei dem sie studiert hat. Sie nimmt auf Drehers Glasbilder-Serie „Tag um Tag guter Tag“ Bezug. Als soziales Projekt hat Hanna Nitsch einen Sauerteig angesetzt, der nun in einem geschlossenen Glas in den vier Wochen der Ausstellung „vor sich hinarbeiten“ soll – die Besucher können diese Installation verfolgen. Danach wird aus dem „Säckinger Sauerteig“ Brot gebacken.
Auch ihre eigenen Kinder, inzwischen längst erwachsen, waren schon früh Hauptdarsteller in vielen Arbeiten von Hanna Nitsch. Freischwebend hängt ein großformatiges, zwei Meter hohes Tuscheporträt im Raum, das ihre Tochter Lilli zeigt: mit roten Federn um den Hals und einem Blick, der etwas Hypnotisches hat. In Fotoarbeiten geht es um die Kommunikation zwischen Mutter und Tochter.
Die Ausstellung von Hanna Nitsch in der Villa Berberich in Bad Säckingen ist bis 19. April zu sehen. Geöffnet ist die Schau in der Villa Berberich samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Führungen sind am 29. März und am 12. April, jeweils um 15 Uhr.
Auch in zwei Videos konfrontiert Hanna Nitsch die Betrachter mit vieldeutigen Inhalten und Aussagen. Das Video „Burn“ zeigt, wie ein Haus abbrennt. Flammen schlagen lichterloh aus dem Gebäude, Teile davon stürzen ein, doch nichts passiert. Keine Feuerwehr kommt. Nur eine Frau läuft ständig durchs Bild. Darüber werden Texte aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan eingeblendet: „Nichts ist wiederholbar, die Zeit, die Lebenszeit hält nur ein einziges Mal inne…“.
Im zweiten experimentellen Video überlagern sich Szenen von einer Armee weiblicher Soldaten, militärischen Paraden, einer Prozession mit Kreuz, einer Fußwaschung, Demonstrationen, Gewalt und Straßenkampf und lösen tiefgründige Assoziationen aus, auch im Kontext heutiger Krisenzeiten und Kriegsszenarien. Gefaltete Kleidungsstücke aus diesen Videosequenzen nahm Nitsch als Modell, um sie in Keramik nachzubilden, was sie aussehen lässt wie Reliquien.
zeitkritische skulpturale Arbeiten
Im Bereich Skulpturen sieht man von Hanna Nitsch zudem keramische Vasen, klassisch in der Form, und Bruchstücke von Vasen, Scherben und Fragmente in Vitrinen. Durch Motive wie Hubschrauber und Atompilz lädt sie diese skulpturalen Arbeiten zeitkritisch auf. So reflektiert Hanna Nitsch in dieser Ausstellung immer wieder Sehgewohnheiten, Rollenstereotype und Lebensrealitäten und fordert die Besucher dazu auf, sich damit kritisch auseinanderzusetzen.
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