Hunderttausende von Pflegearmut betroffen: Welchen Einfluss hat die Postleitzahl?

In Deutschland sind rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig, stellt der Barmer-Pflegereport 2025 fest. Der überwiegende Anteil davon, fast fünf Millionen, wird zu Hause betreut, von Angehörigen oder ambulanten Pflegediensten. Das eigene Einkommen reicht jedoch für viele nicht aus, um die hohen Pflegekosten zu decken – auch mit Leistungen der Pflegeversicherung. Die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ unterstützt Betroffene laut dem Portal pflege.de daher, diese Lücke zu schließen.

Aufgrund der wachsenden Zahl von Menschen in Altersarmut hat der Paritätische Gesamtverband nun eine neue Studie, mit dem Titel „Hilfe, die nicht ankommt: Armut in der häuslichen Pflege“, in Auftrag gegeben. Diese zeichnet ein alarmierendes Bild: Von den 390.000 Pflegebedürftigen, die Anspruch auf die Sozialleistung haben, beziehen weniger als 20 Prozent die Unterstützung. Die zentrale Frage lautet also: Warum profitieren so viele Pflegebedürftige nicht von Leistungen, die ihnen zustehen? Laut der Studie ist ein entscheidender Faktor oft die Postleitzahl.

Warum profitieren so wenig Pflegebedürftige von der Leistung „Hilfe zur Pflege“?

Jeder Mensch, egal ob alt oder jung, der pflegebedürftig ist, erhält über die soziale Pflegeversicherung nur eine Teilfinanzierung der anfallenden Kosten, heißt es bei pflege.de. Reicht das eigene Einkommen oder Vermögen für die übrigen Kosten nicht aus, können Pflegebedürftige nach § 61 des zwölften Buchs des Sozialgesetzbuches (SGB XII) die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ beantragen. Sie greift, wenn weder eigene Mittel noch andere Versicherungen wie die soziale Pflegeversicherung oder private Zusatzversicherungen die Kosten decken.

Die neue Studie zur Pflegearmut des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Klie, die im März 2026 veröffentlicht wurde, zeigt laut der Pressemeldung des Paritätischen Gesamtverbands, dass bundesweit etwa 300.000 armutsbetroffene Pflegebedürftige keine „Hilfe zur Pflege“ erhalten. Hauptgründe für die Nichtinanspruchnahme seien fehlende Beratung, bürokratische Hürden und Schamgefühle bei den Antragstellern. Außerdem würden uneinheitliche Verwaltungspraktiken den Zugang zu Leistungen erschweren.

Inwiefern entscheidet die Postleitzahl über die Sozialhilfe für Pflegebedürftige?

Oftmals bestimmt laut den Ergebnissen der Studie die Postleitzahl, in welchem Umfang Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden. In einigen Regionen werden Leistungsempfänger aktiv auf die Möglichkeit hingewiesen, in anderen müssen Betroffene selbst umständlich Anträge stellen. Das führt zu massiven Ungleichheiten:

In Hamburg nimmt jeder Dritte der berechtigten Pflegebedürftigen die Hilfe in Anspruch. Die Studie hebt die Stadt als positives Beispiel für die Versorgung hervor.

In Sachsen-Anhalt sind es rund 20 Prozent, im Saarland nur etwa 10 Prozent.

Besonders ländliche Gebiete in den neuen Bundesländern zeigen eine niedrige Inanspruchnahme.

Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, kommentiert laut Pressemeldung: „Derzeit entscheidet die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige zu Hause unterstützt werden – das ist schlicht ungerecht. Gute Pflege muss überall ermöglicht werden, unabhängig vom Wohnort.“

Welche Pflegebedürftigen sind von der fehlenden Inanspruchnahme der Sozialleistung betroffen?

Die Studie zeigt, dass vor allem Pflegebedürftige betroffen sind, die zu Hause versorgt werden und einkommensschwach sind. Eine detaillierte Altersverteilung der nicht versorgten Anspruchsberechtigten ist dabei nicht ersichtlich. Allerdings entfällt der größte Teil der Pflegebedürftigen insgesamt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf hohe Altersgruppen, sodass insbesondere ältere Menschen im Kontext von Altersarmut als besonders gefährdet gelten.

Ein Großteil der Leistungen der „Hilfe zur Pflege“ wird laut der Studie in Pflegeheimen erbracht. In der häuslichen Pflege, in der die Mehrheit der Pflegebedürftigen versorgt wird, bleibt die Inanspruchnahme dagegen deutlich geringer, trotz bestehender Ansprüche.

Studie zur Altersarmut fordert: Ungleichheit bekämpfen, Pflege sichern

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht angesichts der Ergebnisse politischen Handlungsbedarf. Bund, Länder und Kommunen müssten die „Hilfe zur Pflege“ im häuslichen Bereich deutlich stärken und den Zugang zu der Leistung vereinfachen. Auch Joachim Rock warnt laut Pressemeldung: „Unsere Studie zeigt, dass finanzielle Hilfe in der häuslichen Pflege erschreckend oft ausbleibt – obwohl sie dringend gebraucht wird und rechtlich vorgesehen ist.“

Ziel müsse sein, bestehende Ansprüche konsequenter umzusetzen und Versorgungslücken zu schließen, damit finanzielle Unterstützung tatsächlich bei den Betroffenen ankommt.

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