16 Meter lang, drei Millionen Euro teuer: So sieht es auf den größten Luxusyachten auf dem See aus

Als das Boot den Hafen von Kressbronn verlassen hat, nimmt es so richtig Geschwindigkeit auf. Es gleitet so schnell über den Bodensee, dass einem der Wind um die Ohren peitscht. Das Alpenpanorama fliegt vorbei, auf dem See glitzert die Sonne. Die Yacht, die gerade auf dem Bodensee unterwegs ist, ist ziemlich groß. Und sie erregt Aufmerksamkeit, schließlich sieht man so ein riesiges Motorboot nicht so oft auf dem Bodensee.

Trotzdem gibt es diese Riesenyachten: Das größte Boot, das auf dem Bodensee zugelassen ist, misst eine Länge von 18,90 Metern und ist fast fünf Meter breit. Es ist eine Princess S 60, sie hat mehrere Stockwerke und gleich drei Schlafkabinen. Der Besitzer möchte das Boot nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Die Princess S 60 ist aber nicht das einzige Boot dieser Größe auf dem See. Im Kanton St. Gallen kommt das längste Motorboot auf 18,05 Meter, im Thurgau auf 16,45 Meter. Auch im Kreis Konstanz misst die längste Yacht fast 17 Meter.

Luxus-Boot aus Wangen kostet fast drei Millionen Euro

Aber wie sind solche großen Yachten eigentlich ausgestattet? Vor wenigen Tagen erst ist so eine exklusive Yacht in den Bodensee gelassen worden. Es ist eine Say 52, sie wurde in Wangen im Allgäu gebaut. Das Boot ist 15,95 Meter lang und 4,40 Meter breit. Kostenpunkt: 2,5 Millionen plus die je nach Land unterschiedliche Mehrwertsteuer, in Deutschland läge der Endpreis dann bei knapp drei Millionen Euro. „Dass wir solche großen Boote an Besitzer am Bodensee verkaufen, ist eher selten“, sagt Maik Heiligensetzer. Er ist Verkaufsberater für Luxus-Sportboote. Das Geschäftsfeld konzentriert sich nicht nur auf den Bodensee, viele Kunden suchen ein Boot, um an den Küsten vor Südfrankreich, Mallorca oder Kroatien zu schippern.

Das Exemplar, das gerade am Bodensee liegt, bleibt nur die nächsten Wochen in der Region. Es wird an der Côte d‘Azur zum Einsatz kommen und wird jetzt ausgiebig getestet. Es könnte aber so auch auf dem Bodensee fahren. Die Say 52 hat einen Rumpf aus Carbon und erreicht bis zu 45 Knoten, das sind etwas mehr als 80 Kilometer pro Stunde. Verbaut sind laut Heiligensetzer zwei Volvo-Motoren mit je 480 PS. Auf dem Bodensee können die Motorboote ihr Potenzial nicht entfalten: Hier herrscht ein Tempolimit von 40 km/h. „Die meisten Boote auf dem See könnten deutlich schneller fahren“, sagt Heiligensetzer.

Diskussionen um schnelle Motorboote und den Lärm, den sie verursachen, gab es in den vergangenen Jahren oft. Maik Heiligensetzer hat aber den Eindruck, dass bei seinen Kunden am Bodensee schon ein Bewusstsein dafür herrsche, dass der Bodensee eben auch ein Trinkwasserspeicher und Ort zur Erholung ist.

Bodensee-Kunden kaufen meist Boote bis zwölf Meter Länge

Außerdem sind die Vorschriften am See streng: Viele Motoren der größeren Yachten müssen zunächst umgebaut werden, bevor sie im Bodensee zugelassen werden. Die Bootshersteller bieten inzwischen zwar auch Elektromotoren an. „Die Nachfrage steigt, doch hier ist noch Aufklärungsarbeit nötig. Viele Kunden haben noch Zweifel wegen der geringeren Reichweite“, sagt Heiligensetzer. Aktuell sei die Ladeinfrastruktur auf dem Bodensee noch nicht ausreichend, damit Kunden von Elektrobooten überzeugt werden können.

„Die tatsächliche Zeit, in der der Motor läuft, ist sehr gering“, sagt Maik Heiligensetzer. Meistens fahre man mit dem Boot in die nächste Bucht, werfe den Anker aus und bleibe dann dort. Yachten wie die Say 52 bieten viel Platz für solche Tage auf dem Wasser. Liegeflächen gibt es am Heck und am Bug, außerdem eine Sitzfläche mit Tisch und eine Außenküche.

Unten in der Kabine ist die Say 52 wie eine kleine Wohnung ausgestattet. Die Einrichtung ist edel: Oberflächen sind mit beigefarbenem Stoff überzogen, wegen des noch neuen Birkenbodens darf die Kabine nicht mit Schuhen betreten werden. Neben einer weiteren Küche und einer Sitzecke steht den künftigen Besitzern auch ein Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche zur Verfügung. Schiebt man die Vorhänge an der Liegefläche zur Seite, blickt man direkt auf das Wasser. „Wir bewegen uns hier im Tagesbootbereich“, erklärt Maik Heiligensetzer. Für Familien mit mehreren Kindern sei die Kabine fast schon zu klein.

Das Problem mit Luxusyachten wie diesen: Große Boote finden in kaum einem Hafen am See einen Liegeplatz. Denn die Plätze sind meistens auf drei Meter Breite begrenzt. Je größer das Boot, desto komplizierter wird es: Übrig bleiben dann nur noch Häfen wie etwa die Marina Ultramarin in Kressbronn. Vom Erstkontakt mit dem Kunden bis zur Auslieferung der Yacht vergehen aber oft zwei bis drei Jahre, sagt Maik Heiligensetzer. Dann klappe es mit ein wenig Glück eben doch, dass ein passender Liegeplatz gerade frei werde.

Kunden nutzen Yachten unterschiedlich am Bodensee

Die Kunden, die sich bei Maik Heiligensetzer für eine Yacht am Bodensee interessieren, haben verschiedene Bedürfnisse: „Manche wollen jeden Sommer die Häfen am Bodensee abfahren, andere wollen einfach abends oder am Wochenende raus und in die nächstgelegene Buch“, sagt Heiligensetzer. Nicht alle seine Kunden wollen also ein so großes Boot - vor allem, wenn sie die kleinen Häfen am See ansteuern möchten. „Der typische Bodensee-Kunde kauft bei uns ein Boot von acht bis zwölf Metern Länge“, sagt Heiligensetzer. Häufig handelt es sich um Paare oder Familien, die aus der näheren Umgebung kommen, meist in einem Umkreis von 200 Kilometern um den See.

Für den Tourismus am See ist die Yachtbranche wichtig, findet Maik Heiligensetzer: Wenn sich ein Kunde eine Yacht am See kauft, sei das immer ein Bekenntnis für die Region. Denn dann nutzen die Bootsbesitzer die Infrastruktur in den Häfen, gehen in den Restaurants essen und kurbeln somit die Wirtschaft an. „Sie nutzen die Zeit vor der Haustür und fliegen für den Urlaub eben nicht in die Ferne“, sagt Heiligensetzer.

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