Alzheimer mit 57: Patientin hofft auf neues Medikament
Sie sei schon immer ein bisschen hektisch und spontan gewesen, sagt Jacqueline Kretschmann. «Ich mache immer alles ziemlich schnell», so die 57 Jahre alte Berlinerin. Anfangs machten sie und ihr Mann Steffen Schostok sich daher keine Sorgen. Zum Beispiel, als sie nach dem Betreten eines Raumes nicht mehr wusste, was sie dort eigentlich wollte, oder Dinge in ihrem Haus nicht mehr wiederfand. Dass sich etwas Unumkehrbares anbahnte, ahnten sie und ihr Mann da noch nicht.
Vier Jahre später sitzt das Ehepaar in einem Zimmer der Berliner Charité. Die Vergesslichkeit hat jetzt einen neuen Namen: Alzheimer. Die zierliche Frau hängt an einem Tropf, der ein großes Versprechen bereithält - das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Donanemab (Handelsname Kisunla) heißt das Medikament, das die 57-Jährige an diesem kalten Januartag zum ersten Mal verabreicht bekommt. «Mal sehen, ob das hilft», sagt Kretschmann, kurz bevor es losgeht.
Das Medikament ist erst seit November in Deutschland verfügbar. «Die Therapie stellt keine Heilung dar, aber Studien mit Donanemab haben eindeutig eine Verlangsamung der Erkrankungsprogression gezeigt», erklärte der Neurologe Jörg Schulz einmal. Innerhalb von 18 Monaten sei ein Zeitgewinn von vier bis sechs Monaten möglich. Anders als bisherige Alzheimer-Medikamente behandelt der Antikörper nicht nur Symptome, sondern zielt auf zugrundeliegende Krankheitsprozesse ab.
An der Charité werden derzeit etwa 50 Menschen mit Donanemab oder Lecanemab - dem ersten zugelassenen Alzheimer-Medikament dieser Art, das bereits seit September in Deutschland verfügbar ist - behandelt. Maria Buthut ist Neurologin an der Universitätsklinik und leitet gemeinsam mit dem Neurologen Harald Prüß die........
