Krach im Kreistag: Freie-Wähler-Kreisrat Olaf Boettcher geht im Streit und wechselt zur FDP

Ist er freiwillig gegangen oder wurde er ausgeschlossen? Am Ende ist das Verhältnis zwischen Kreisrat Olaf Boettcher und seiner bisherigen Fraktion der Freien Wähler offenbar so zerrüttet, dass es nicht einmal auf diese Frage eine einheitliche Antwort gibt. Boettcher konstatiert im Gespräch mit unserer Zeitung, er habe seinen Austritt aus der FW-Fraktion bereits am Dienstag schriftlich erklärt und belegt dies mit einer E-Mail. FW-Fraktionschef Michael Thater schildert in einer Pressemitteilung, Boettcher sei am Donnerstag per einstimmigem Votum vor die Tür gesetzt worden. Fakt ist: Der Arzt hat inzwischen bei der FDP-Fraktion eine neue politische Heimat gefunden. Sein Mandat wolle er auf jeden Fall behalten: Er sei zwar auf der Liste der Freien Wähler angetreten, sei aber „als Person Olaf Boettcher“ in das Gremium gewählt worden, sagt er.

Kritische Äußerungen führen zum Bruch

Aus Sicht der Freien Wähler ist Boettcher aufgrund seiner kritischen Äußerungen zur medizinischen Versorgung im Landkreis untragbar geworden. Entgegen den Bitten seiner Fraktion habe er „öffentlichkeitswirksame Auftritte mit Fundamentalkritik am Kreiskrankenhaus, den Planungen zum neuen Kreisspital in Albbruck und dem Handeln der Kommunen im Kontext der Ärzteversorgung“ nicht unterlassen, so Michael Thater.

Dies habe er „vermeintlich auch im Namen der Freie-Wähler-Fraktion“ getan, was „für erhebliche Verunsicherung in der Bevölkerung im Landkreis gesorgt hat“, so Thater. Auf die Gesprächsangebote der Fraktion habe Boettcher nicht reagiert und bei Kreistags- und Fraktionssitzungen habe er immer wieder unentschuldigt gefehlt, lauten zwei weitere Vorwürfe.

Boettcher: „Tatsachen bewusst verdreht“

Boettcher widerspricht Thater entschieden: „Ich habe mich ausschließlich als Arzt zur medizinischen Versorgung geäußert.“ Als „Frechheit“ bezeichnet er daher Thaters Vorwurf, er sei in irgendeiner Weise Lobbyist. Vielmehr versuche der FW-Fraktionschef, ihm „einen Maulkorb“ zu verpassen und verdrehe nun ungeniert Tatsachen. Insbesondere sei er kein Gegner des Klinikneubaus, wie dies immer wieder kolportiert werde. Für ihn sei jedenfalls klar: Eine kritische Auseinandersetzung mit Themen sei in der FW-Fraktion „nicht erwünscht“ und werde nicht toleriert, so Boettcher.

Boettchers neuer Fraktionschef Klaus Denzinger will sich zu internen Auseinandersetzungen beim Mitbewerber nicht äußern. „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Herrn Boettcher, den ich als Fachmann par excellence in Gesundheitsfragen kennengelernt habe“, sagt er. Für die FDP-Fraktion werde der Arzt eine Bereicherung sein. Die Entscheidung zu dessen Aufnahme sei bereits am vergangenen Sonntag einstimmig gefallen.

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