Ein Jahr nach der Schließung: Wie hat sich die Lage am Brennpunkt Bahnhofskiosk entwickelt? |
Seit einem Jahr ist der Bahnhofskiosk Waldshut Geschichte. Lange war der Kiosk zuvor umstritten, galt aufgrund des sich dort versammelnden Klientels und der Vielzahl von Delikten, die häufig im Zusammenhang mit Drogen- und Alkoholdelikten standen, als Brennpunkt. Immer wieder kam es zu Polizeieinsätzen und Beschwerden, mit denen Passanten ihre Sicherheitsbedenken zum Ausdruck brachten. Hat die Schließung tatsächlich eine Verbesserung gebracht?
Schließung allein reicht nicht aus, um Probleme zu beheben
Die Schließung war zunächst nur als temporäre Maßnahme gedacht, wobei der ehemalige Betreiber diese auch noch deutlich früher umsetzte als eigentlich vorgesehen. Schon im Februar 2025 war Schluss. Dass dies das endgültige Ende des Kiosks bedeuten würde, hat sich aber erst im Lauf des Jahres herauskristallisiert. Da hatte sich aber bereits abgezeichnet, dass das Problempotenzial des Bahnhofsumfeldes mit der Schließung allein nicht zu beheben sein würde.
Aber der Reihe nach: „Die Schließung des Kiosks vor rund einem Jahr führte zunächst zu einer raschen und spürbaren Entspannung der Situation“, schildert die Pressesprecherin der Stadt, Verena Pichler, auf Anfrage. Doch Ansammlungen gab es rund um das Kioskgebäude weiterhin. Tatsächlich sei es mit steigenden Temperaturen in „nahezu in der zuvor bekannten Form“ weitergegangen. Erneut habe sich dort der Treffpunkt „eines erkennbaren Problemklientels aus der Alkohol- und Drogenszene“ etabliert, so Pichler weiter. Auch die Kriminalitätsbelastung habe sich nicht in der erhofften Weise reduziert. Das habe eine Auswertung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik gezeigt. Vor diesem Hintergrund sei im Austausch mit der Polizei zeitweise auch die Einrichtung einer Messerverbotszone in Betracht gezogen worden, da auch Gewaltdelikte unter Einsatz von Waffen registriert worden seien, verdeutlicht Pichler das Ausmaß der Problematik. Wenngleich sich derartige Vorfälle „überwiegend innerhalb des entsprechenden Klientels“ ereignet hätten, habe sich dies negativ auf das subjektive Sicherheitsgefühls unbeteiligter Passanten und Reisender ausgewirkt.
Zwölf Jahre lang wurde der Kiosk vom selben Inhaber betrieben. Dieser hat den Kiosk im Februar 2025 geschlossen. Zunächst war dies als temporärer Test geplant gewesen. Als Treffpunkt eines dubiosen Klientels stand das Areal zuvor bereits seit Langem in der Kritik. Regelmäßige Polizeieinsätze und Beschwerden aus der Bevölkerung waren die Folge. Im Lauf des Jahres wurde die dauerhafte Schließung festgelegt. Der Kiosk wurde zum Ende September geräumt und steht seither leer.
Erst Komplett-Absperrung des Geländes bringt Entspannung
Abgesehen von einem hohen Überwachungsbedarf, um die Einhaltung des Messerverbots zu gewährleisten, erwiesen sich die eingeleiteten Maßnahmen über weite Strecken des Jahres als unzureichend, um die erhoffte dauerhafte Entspannung zu bringen, heißt es in der Bilanz der Stadt. Erst die vollständige Absperrung des überdachten Kioskareals habe Ende 2025 eine spürbare und nachhaltige Entspannung mit sich gebracht, so Pichler.
„Seit der Absperrung am 1. Dezember 2025 sind größere Ansammlungen von nicht reisenden Personen an dieser Örtlichkeit nicht mehr festzustellen“, hält sie fest. Seither seien auch keine weiteren Beschwerden aus der Bürgerschaft mehr eingegangen. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickle, insbesondere mit Blick auf weiter steigende Temperaturen. „Trotz der deutlichen Entspannung der Situation vor Ort führen sowohl die Polizei als auch der städtische Kommunale Ordnungsdienst weiterhin regelmäßige und engmaschige Kontrollen durch“, versichert Verena Pichler. Dabei kämen durchaus auch immer wieder Delikte ans Licht.
Wohin ist das Kiosk-Klientel abgewandert?
Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich kein neuer Treffpunkt des einstigen Kiosk-Klientels herauskristallisiert. Vereinzelt seien Personen im Bereich des westlichen Viehmarktplatzes festgestellt worden, so Pichler. Es gebe aber nicht annähernd eine so hohe Intensität an Vorkommnissen wie früher. Dies hänge vermutlich mit dem Umstand zusammen, dass viele der betreffenden Personen nicht aus Waldshut-Tiengen stammt, sondern aus umliegenden Gemeinden. „Aufgrund der guten Erreichbarkeit des Busbahnhofs Waldshut als Verkehrsknotenpunkt von Bahn- und Busverkehr war der Bereich auch für überregional anreisende Personen gut zugänglich und entwickelte dadurch eine entsprechende Anziehungskraft“, so die Einschätzung der Stadt.
„Das Stadtbauamt plant, das ehemalige Kioskgebäude nach Möglichkeit noch in diesem Jahr abzureißen“, so Verena Pichler. Parallel dazu laufen Planungen, wie das Areal künftig genutzt werden kann. Eine konkrete Überlegung ist, auf der Fläche Abstellplätze für Fahrräder zu schaffen.
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