Fall Collien Fernandes: Deutschland plant strengere Gesetze gegen gefälschte Pornobilder

Die Debatte über digitale Gewalt hat in den vergangenen Tagen deutlich an Fahrt aufgenommen. Auslöser ist der Fall der Moderatorin Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, gefälschte pornografische Inhalte von ihr verbreitet zu haben. Tausende Menschen demonstrierten deshalb am Wochenende in Berlin gegen sexualisierte Gewalt im Internet, weitere Demonstrationen sollen folgen. Außerdem haben Frauenrechtlerinnen eine Petition an die Bundesregierung gerichtet. Der Tenor: Schützt Frauen endlich. 

Im Zentrum stehen sogenannte Deepfakes: Mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellte Bilder oder Videos, die real wirken, aber manipuliert sind. Besonders häufig handelt es sich um sexualisierte Inhalte, bei denen Gesichter realer Personen in bestehendes Material eingefügt werden. Die technische Entwicklung führt dazu, dass solche Inhalte einfacher und schneller erstellt und verbreitet werden können. Für Betroffene ist das belastend, da sich Inhalte nur schwer aus dem Internet zurückholen lassen.

Bei digitaler Manipulation gibt es bislang eine Gesetzeslücke

Nach Einschätzung des Bundesjustizministeriums sind diese Formen digitaler Manipulation bislang unzureichend vom Strafrecht erfasst. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat deshalb einen Gesetzentwurf angekündigt, der sich auf der Zielgeraden befinde. Geplant sei unter anderem, das Herstellen und Verbreiten pornografischer Deepfakes ausdrücklich unter Strafe zu stellen. „Das Thema ist ungeheuer wichtig, und deshalb haben wir sehr früh hier im Ministerium angefangen, einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten. Der ist jetzt fertig und auf der Zielgeraden“, sagte Hubig. Die Diskussion um Gewalt gegen Frauen betreffe die ganze Gesellschaft, „nicht nur Frauen. Auch die Männer müssen mitdiskutieren.“

Bislang gibt es keinen eigenen Straftatbestand in Deutschland. Strafbar können Inhalte erst dann werden, wenn bestehende Gesetze greifen – etwa bei Beleidigung, Verleumdung oder Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Welche Strafe drohen kann, hängt stark vom Einzelfall ab: Geldstrafen oder Freiheitsstrafen sind möglich, einen einheitlichen Rahmen speziell für Deepfakes gebe es bislang nicht. 

Der Entwurf sieht Hubig zufolge vor, die Verbreitung manipulierter Inhalte mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, in schweren Fällen auch darüber hinaus, zu ahnden. Zudem sollen Betroffene leichter zivilrechtlich gegen Inhalte vorgehen können. Der Gesetzentwurf dazu soll noch in dieser Woche in die interne Abstimmung des Kabinetts gegeben werden.

In Spanien sind die Gesetze deutlich strenger

Andere Länder sind bereits weiter. Großbritannien stellt Inhalte ohne Zustimmung unter Strafe, ähnlich wie Australien, wo Behörden zudem die schnelle Löschung anordnen könnten. In Spanien sind die Gesetze strenger; dort sind bei Verbreitung sexualisierter Inhalte Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vorgesehen.

Fernandes selbst erklärte in den ARD-„Tagesthemen“, dass sie sich bewusst entschieden habe, in Spanien zu klagen, „weil dort die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland“. Zudem habe ihr Ex-Mann seinen Wohnsitz in Spanien, „dadurch hatten wir die Möglichkeit, diesen Sachverhalt dort anzuzeigen.“ 

Die spanische Justiz teilte mit, dass bereits im Dezember 2025 Vorermittlungen eingeleitet wurden. Die Ermittlungen würden „von der Abteilung für Gewalt gegen Frauen“ geführt, erklärte eine Sprecherin des obersten Gerichts der Balearischen Inseln. Fernandes und Ulmen lebten auf Mallorca. Zugleich betonte die Sprecherin, dass sich das Verfahren in einem „sehr frühen und vertraulichen Stadium“ befinde. 

Tausende Menschen demonstrierten in Berlin gegen digitale und sexualisierte Gewalt

Der Fall hat nicht nur politische Reaktionen ausgelöst, sondern eine breitere gesellschaftliche Debatte angestoßen. Tausende Menschen demonstrierten in Berlin gegen digitale und sexualisierte Gewalt. Weitere Demonstrationen sind angekündigt, etwa am Donnerstag in Hamburg. 

Parallel verbreitete sich eine Petition unter dem Titel „In Solidarität mit Collien Fernandes: 10 Forderungen an die Bundesregierung“, die von über 250 Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur unterstützt wird – darunter die Frauenrechtlerin Kristina Lunz und die frühere Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang.

Die Petition fordert unter anderem: die klare Strafbarkeit der Herstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes, ein digitales Gewaltschutzgesetz, spezialisierte Justiz und Polizei, strengere Regeln für Plattformen sowie eine nationale Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

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