Zwischen Taifun, Erdbeben und Vulkan-Asche – zwei Allensbacher helfen weit weg von daheim

Vom Fachabitur an der Wessenberg-Schule zum Auslandseinsatz in Südostasien – diesen mutigen Schritt sind im Herbst 2025 zwei junge Menschen aus Allensbach gegangen. Wie ist es ihnen während des Freiwilligenjahres auf den Philippinen bisher ergangen? „Wir wurden von den Kindern sofort ganz herzlich empfangen“, erzählt Jona Senn, der mit seiner Begleiterin Sonja Schiess auf einer Farm knapp zwei Stunden entfernt von Bacolod City auf der drittgrößten Insel des Landes arbeitet.

Sie sprechen von Kindern, doch die Bewohner sind zwischen 18 und 45 Jahre alt. Trotzdem werden die jungen Leute aus Deutschland, die hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, „große Schwester“ und „großer Bruder“ genannt. Je zehn Frauen und Männer leben auf der Farm, und sie alle haben eine Beeinträchtigung. Oft können sie nicht gut sprechen. „Besonders am Anfang war die Kommunikation daher etwas schwierig“, sagt Schiess. Daher brachten die „Kinder“ ihnen Gebärdensprache bei. So ergab sich schnell ein enges Verhältnis. 

Sie selbst leben nicht auf dem Hof, sondern in einem Dorf in der Nähe. Dort wohnen außer ihnen noch weitere Mitarbeiter. „So haben wir immer Hilfe, wenn etwas ist“, erzählt die 18-Jährige. Morgens fahren die beiden, die auch privat ein Paar sind, mit dem Roller hinaus zur Farm.  Von Montag bis Freitag sind sie von 9 bis 18 Uhr vor Ort. Der Alltag auf dem Hof ist strikt durchgeplant. Zwischen 9 und 11 Uhr spielen alle zusammen. Dann gibt es Mittagessen und zwei Stunden Mittagsschlaf. Diese Zeit können Schiess und Senn für sich nutzen; oft fahren sie mit dem Roller durch die Gegend. 

Die Hühner waren eines Morgens plötzlich weg

Wieder zurück folgt ein kurzes Gebet, bevor alle die Farm putzen oder die Beete gießen. Je nachdem, was gerade anfällt. Neben der Landwirtschaft gibt es auf der Farm viele Tiere. Dazu gehören Hühner, Truthähne, Wachteln, Enten und eine Ziege. Auch ein Schwein hatten sie. „Aber das wurde unser Weihnachtsessen“, fügt Senn hinzu. 36 Hühner sind aus einem weniger erfreulichen Grund verschwunden: Sie wurden nachts gestohlen. Seitdem halten sie auf der Farm Hunde, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.

Aber auch Naturphänomene machen den Bewohnern der Farm zu schaffen. Der aktive Vulkan in der Nähe spuckt regelmäßig Asche. Fast täglich bekommen sie Gefahrenwarnungen. Dann geht auf dem Handy ein lauter Alarm los. „Das ist erst mal ganz schön beängstigend“, erzählt Schiess. Sie habe sich immer sehr erschreckt und gleich ihre Kollegen informiert.

Die Einheimischen sehen es dagegen gelassen. Sie mussten bisher erst einmal die Räumlichkeiten wegen einer Aschewolke komplett verlassen. Mittlerweile sei der Alarm Teil des Alltags geworden.

Hilfe von Deutschland aus

Das deutsche Hilfsprojekt Mariphil organisiert für die Freiwilligen den Flug und die Einführungsseminare. Vor Ort arbeiten sie mit der lokalen Organisation Virlanie Faith aus Bacolod zusammen. Diese bietet unter anderem in verschiedenen Städten Anlaufstellen für Straßenkinder an. Auch einige Bewohner der Farm sind dort zum ersten Mal auf die Organisation gestoßen. Der Gründer von Virlanie Faith, Dominique Lemay, kennt viele von ihnen persönlich, seit sie Kinder sind. Es ist die einzige Farm, die er betreibt. Wer einmal als Bedürftiger dort wohnt, kann sein Leben lang bleiben.

Auch ein Erdbeben der Stärke 5,4 haben die Freiwilligen schon miterlebt. „Im Zentrum auf der Nachbarinsel hatte es einen Wert von 6,6“, berichtet Jona Senn. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen der Abend, als ein Taifun auf die Insel traf. Einige Mitarbeiter seien um 7 Uhr abends noch einmal in das Dorf zurückgekehrt, um die Bewohner in ein Zimmer zu bringen. Senn und Schiess blieben zuhause und bekamen von dem Unwetter nicht viel mit. Die Ernte war zerstört und einige Bäume entwurzelt. Ein Baum war auf das Dach eines Hauses gefallen. Doch verletzt wurde glücklicherweise niemand. 

Die Bewohner hätten sich sofort an die Arbeit gemacht, um die Spuren zu beseitigen. „Als wir sie dann wieder trafen, waren sie richtig begeistert, uns zu sehen“, schildert Sonja Schiess.

Immer mit einem Lächeln unterwegs

Eine Eigenschaft, die den beiden 18-Jährigen überall auf den Philippinen auffällt: Die Leute seien glücklich und empfangen jeden mit einem Lächeln. Senn fasst es so zusammen: „Sie leben einfach das Leben.“ Das sei beeindruckend. Trotzdem sind die Deutschen froh, nicht allein in einem fremden Land zu sein. „Ich hätte es ohne Jona niemals gemacht“, meint Sonja Schiess. Senn ergänzt: „Ich hatte nach vier Monaten auch wirklich Heimweh.”

Zum Glück kam ihn sein Vater im März besuchen, denn Telefonieren sei nicht dasselbe. Mit ihm zusammen haben sie einige ihnen noch unbekannte Teile der Philippinen entdeckt. Zurück nach Hause geht es für die Allensbacher dann erst wieder Ende August.

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