Große Action mit kleinen Rennautos |
Ferngesteuerte Modellautos düsen mit einem Affenzahn über die Strecke, Sandsäcke markieren die bockelharte Offroad-Piste, hier eine Kehre, dort eine S-Kurve, über die Rampe und dann mit vollem Tempo auf die Zielgerade. Wenn die kleinen Flitzer driften, spritzen Steinchen von der Lehmbahn.
Wir befinden uns in Rohrdorf in der Nähe des Sportplatzes, dort, wo früher einmal die Tennisanlage war. Davon zeugt noch der hohe Ballfangzaun. Auf dem rund 2800 Quadratmeter großen Gelände ist die Heimat des 2023 gegründeten Race Car Clubs Rohrdorf.
Der Verein hat das Areal von der Stadt Meßkirch gepachtet, die Baulichkeiten gehören dem RCC. Angefangen hat alles 2019 auf einem Acker bei Ringgenbach, da nannte sich die Gruppe noch RC Rosenbühl. Als der Tennisclub Rohrdorf die Anlage aufgab, ergriffen die Rennwagen-Freunde die Gelegenheit beim Schopf. „Wir haben 600 Tonnen lehmigen Aushub und 300 Tonnen Kies aufgefüllt“, erzählt der Vereinsvorsitzende Jürgen Schmid (28). Es gibt sogar eine Art Boxengasse, wo die Fahrer die Reifen ihrer Modellautos oder die Akkus wechseln können. Dann taucht schon mal die Frage auf: „Kannst du mir mal einen Lipo geben?“ Bedeutet: Lithium-Polymer-Akku. 90 Prozent der RC-Cars fahren mit Elektromotor, einige haben Nitromethan im Tank.
Betreutes Schrauben im Winter
Saisonbeginn ist meistens im März, dann wird zunächst die Strecke in Ordnung gebracht. Im April werden jedes Wochenende die Motoren angeworfen. Im Winter sind Pflege und Reparaturen angesagt. „Da verbringen wir unsere Zeit im Vereinsheim mit betreutem Schrauben“, schmunzelt Johann Geisler. Er schätzt die Kameradschaft im Verein, das gemeinsame Grillen und Fachsimpeln.
Die kleinen Autos erreichen schnell Höchstgeschwindigkeit. „Das ist vom Modell abhängig, aber in fünf Sekunden auf 100 km/h, das ist möglich“, so Schmid. Gesteuert wird mit einer Fernbedienung, die an eine Klebepistole erinnert. Rechts ist ein Rädchen angebracht, sozusagen das Lenkrad, mit dem man nach rechts und links lenkt. Umdenken und Konzentration sind angesagt, wenn das Auto auf einen zufährt. Die Lenkung reagiert sehr sensibel, ruckzuck hat man übersteuert und landet im Zaun. Fürs Gasgeben bedient man den Abzug wie bei einer Pistole. Auch hier gilt es, das Tempo gut zu dosieren, sonst droht in der nächsten Kurve ein Überschlag. Könner fahren in Ideallinie durch den Parcours. Ein Akku hält bis zu 30 Runden durch, die Streckenlänge beträgt rund 240 Meter. An einem Wochenende kommen bei den motivierten Fahrern zwischen 50 und 100 Kilometer zusammen. Es kann gut sein, dass die Rohrdorfer RC-Car-Sportler in Zukunft auch an Wettbewerben teilnehmen.
Die kleinen RC-Autos kann man entweder in vielen Einzelteilen als Bausatz kaufen oder RTR. Das ist die Abkürzung für ready to run. „Auspacken, Akku rein, losfahren“, erläutert Schmid. Ganz billig sind die Flitzer nicht. „Vor ein paar Jahren hat ein Startermodell mit Fernbedienung noch um die 350 Euro gekostet, inzwischen sind es 600 Euro. Ich rate Anfängern dazu, ein gebrauchtes Modell zu kaufen, das ist günstiger. Nach oben ist die Preisgrenze offen, ein Carbonspoiler macht es gleich teurer.“ In Rohrdorf können sich Interessierte beraten lassen und erst einmal ausprobieren, ob ihnen der Rennsport taugt. Der Verein hat zwölf Mitglieder, bislang sind es ausschließlich Männer. Aktuell überlegt der Verein, ein Jugendprogramm auf die Beine zu stellen.
Ein umgebauter Zirkuswagen dient als Fahrerstand, hier oben aus vier Metern Höhe haben die Männer die Bahn bestens im Blick. Die Streckenlänge beträgt circa 240 Meter, der schnellste Fahrer jagt sein Modellauto in rund 51 Sekunden vom Start ins Ziel. Geht es darum, den Streckenrekord aufzustellen, sind Johann Geisler und Christian Ramsperger vorn dabei. Zeitmessung und Rundenzählen erfolgen ganz professionell, sobald die Fahrer eine Traverse aus Metall passieren. Die Mini-Cars sind mit Sendern ausgestattet. Die meisten aufgezeichneten Runden im vergangenen Jahr hat Geisler absolviert: 1248.
Gegründet wurde der Verein RCC Rohrdorf im Juli 2023. Die Fahrbereitschaft des Rundkurses in Rohrdorf war im Juni 2024 hergestellt. Wer Lust hat, in den Rennsport mit Modellautos reinzuschnuppern, kann über die Webseite www.race-car-club-rohrdorf.de Kontakt mit den Vorsitzenden Jürgen Schmid und Niko Kaiser aufnehmen. Wenn es das Wetter zulässt, ist an den Wochenenden regelmäßig Fahrbetrieb. Und auch beim Sommerferienprogramm der Stadt Meßkirch wird der RCC Rohrdorf in diesem Jahr wieder mitmachen.
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