„Jeder hat den Traum, nach Europa zu gehen“
Mohammad Amin steht in Flipflops und blauer Trainingshose in seinem Stall und schaufelt Mist vom nassen Betonboden. Zehn Rinder drängen sich unter dem niedrigen Dach. Eine schwarze Kuh will nicht weichen, Amin klopft ihr kurz auf den Hintern. Namen hat er den Tieren nicht gegeben, hier geht‘s ums Geschäft. Draußen, in dem kleinen Innenhof vor seinem Haus, haben sich an diesem Sonntagnachmittag rund zwei Dutzend Menschen versammelt, Alte mit hennagefärbten Bärten, Kinder in brasilianischen Fußball-Trikots, Frauen in pink-gelben Saris. Es kommt nicht häufig vor, dass sich europäische Besucher nach Masail verirren, ein Dorf zwei Autostunden von der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka entfernt. Schon gar nicht, um sich einen stinkenden Kuhstall anzuschauen.
Hier, wo in der Nachbarschaft Dattelpalmen und Bananenstauden wachsen, soll Amin seine Erfolgsgeschichte erzählen. Denn die erste Kuh von Amin hat die EU bezahlt. 80.000 Taka, umgerechnet 580 Euro, hat sie gekostet – eine finanzielle Starthilfe aus Brüssel für einen Mann, der einst viel Geld ausgab, um nach Europa zu kommen und fünf Jahre später zurück in die Heimat abgeschoben wurde. Und nun Kühe mästet. In der EU nennen sie das Reintegration.
Am nächsten Tag landet Magnus Brunner in Dhaka. Der für Migration zuständige Kommissar fliegt nicht zufällig fast 8000 Kilometer durch die Welt. Aus keinem anderen Staat kommen zurzeit mehr illegale Migranten nach Europa als aus Bangladesch. Im ersten Halbjahr 2026 stieg deren Anteil abermals an, während die Zahl der irregulären Grenzübertritte in die Union seit 2024 um rund 70 Prozent gesunken ist. Damals einigte sich die Union nach jahrelangen Streitigkeiten auf eine Reform des gescheiterten Asylsystems. Seitdem scheinen die Vorschläge zur Verschärfung des Kurses nicht hart genug ausfallen zu können, Hauptsache Abschottung und Abschreckung.
Die überwältigende Mehrheit der Bangladescher hat kaum Aussicht auf Asyl. Doch wer abgelehnt wird, fliegt häufig dennoch nicht nach Hause
Trotzdem, die Migrationspolitik bleibt komplex. Die Gründe, warum es Menschen nach Europa zieht, sind so vielfältig wie die Wege, wie sie aufgehalten werden können. Bangladesch dient als bestes Beispiel. Also reist der Chef persönlich aus Brüssel an. Denn hier beginnt sie, die Schlepperroute, die oft noch legal in die Golfstaaten führt und meistens auch dort endet, sich aber eben manchmal auch über Libyen und das Mittelmeer zieht bis nach Rom, München und Düsseldorf. „Wenn wir illegale Migration wirklich bekämpfen wollen, dann müssen wir an der Wurzel beginnen“, sagt der Österreicher.
Die überwältigende Mehrheit der Bangladescher hat kaum Aussicht auf Asyl, das Land gilt als sicherer Herkunftsstaat. Doch wer abgelehnt wird, fliegt häufig dennoch nicht nach Hause. Nur jeder Fünfte wird laut Brüsseler Behörde aktuell........
