Eine neue Bohrmaschine, viele helfende Hände und Kraft erschaffen von 1967 bis 69 den Kreuzweg

Der beeindruckende Kreuzweg, der durch die Loretogasse vom Dorf hinauf zum Kapuzinerkloster führt, wurde am 27. April 1969 eingeweiht. In der Ausstellung „Ei, Ei, Ei -Ostern und mehr“ von 2019 beleuchtete der Schwarzwaldverein Stühlingen das damalige Großprojekt, allerdings war es ausgesprochen schwierig, Konkretes darüber herauszufinden.

Im Gemeinderatsprotokoll vom 12. Mai 1967 steht unter diesem Punkt zu lesen: „Gegen das Vorhaben des Kapuzinerklosters, entlang der Loretogasse einen Kreuzweg einzurichten, werden keine Einwendungen erhoben. Soweit hierbei gemeindeeigenes Gelände in Anspruch genommen werden muß, wird die Genehmigung zur Errichtung der Anlage erteilt.“ Ob wirklich das Kloster das Projekt anstieß oder dieses dann einfach unterstützte, ist nicht geklärt. Elmar Zimmermann schreibt in diesem Zusammenhang am 25. April 1969 im SÜDKURIER: „In diesen Tagen wird in Stühlingen ein Werk vollendet, das durch beispielhafte Initiative einiger Persönlichkeiten geplant und vom Kapuzinerkloster in Regie genommen wurde, …“

Wer diese „Persönlichkeiten“ waren, konnte nicht geklärt werden. In Gesprächen wurde immer wieder an erster Stelle der damalige Pfarrgemeinderat August Rutschmann genannt. Er dürfte sich auch federführend um das Sammeln von Spenden gekümmert haben. Von ihm stammen auch Fotos, die das Setzen der großen Granitsteine, die den Untergrund für die Kreuzwegstationen aus Bronze bildeten, dokumentieren. Es finden sich keinerlei Angaben zum Preis für die Anlage. Er dürfte immens gewesen sein. Auch die großen Granitblöcke dürften eine nicht unerhebliche Summe gekostet haben. Gespart werden konnte durch zupackende, ehrenamtliche Helfer.

Granitsteine werden gesetzt

Am 21. September 1967 verfasste August Rutschmann einen Zeitungsartikel, der die Arbeiten wie folgt beschreibt: „Es war schon lange der Wunsch des Kapuzinerklosters und der Bevölkerung in der Loretogasse, die von der Unterstadt bis zur Höhe des Friedhofes, Klosters und Krankenhaus verläuft, in einer geeigneten und der Landschaft entsprechenden Form einen Kreuzweg zu errichten. Nach längeren Verhandlungen konnten nun aus dem Raum Schluchsee passende Natursteine erworben werden. In freiwilligen Arbeitsstunden haben Einwohner in Zusammenarbeit mit Insassen des Kapuzinerklosters in der Loretogasse die Fundamente für die Natursteine ausgehoben und betoniert. Mit einem Raupenfahrzeug wurden die Steine, von denen jeder zwischen 40 und 60 Zentnern wiegt, an den einzelnen Standort transportiert und aufgestellt.“

Auf einem Foto sind Karl Isele aus Wangen, Besitzer eines kleinen Baugeschäfts, Herr Bawinski, eine unbekannte Person und Bruder Bernhard vom Kapuzinerkloster zu sehen. Bruder Bernhard war laut Bruder Tobias Link Maurer und half damals beim Aufstellen des Kreuzweges. Beteiligt war ziemlich sicher auch Konrad Geng, ebenfalls ein Mann vom Fach.

Der Bildhauer Max Schauer erhält den Zuschlag

Das Setzen der Granitsteine war ein Kraftakt. Nun fehlte noch die Darstellung der Stationen. Max Schauer, Bildhauer und Architekt aus Oberammergau, bekam den Zuschlag. Er kam am 9. April 1969 mit seinen Arbeiten nach Stühlingen, um die Stationen aus Bronze an den Granitblöcken anzubringen. Bruder Alois und der junge Elektriker Horst Krichbaum gingen ihm dabei zur Hand. Vom Kloster aus mussten viele Meter Kabel abgerollt werden, die den Strom für den Einsatz lieferten. Krichbaum erinnerte sich stolz daran, dass er dank seiner neuen Bohrmaschinen die benötigten Löcher in Rekordzeit bohren konnte.

Die Einladung zur Einweihung des Kreuzweges erfolgte am 18. April 1969 unter anderem durch einen von Elmar Zimmermann verfassten Zeitungsartikel. Der Stühlinger Schulleiter war selbst künstlerisch tätig und bewohnte mit seiner Familie das einzige Haus an der Loretogasse. Unter der Überschrift: „Ein geschmackvoller Kreuzweg aus Stein und Bronze“ lobt er die Bronzearbeiten in höchstem Maße: „Von den vielfältigen Granitmonolithen beeindruckt, entschloß sich der Künstler, eine Verbindung von Stein und Bronze herzustellen, weil beide Stoffe gleiche Komponenten enthalten: Zähigkeit, Dauerhaftigkeit und der Zwang zum großzügigen Gestalten. Beim Gang durch das neugeschaffene Werk wird dem Betrachter bewußt, worum sich der Künstler im eigenen Durchleben der Leidensgeschichte des Herrn bemühte, um die epische Bändigung, durch die Stationen wie Brennpunkte in einem Spannungsfeld wirken, um die konsequente Anpassung an Raum und Gelände, das am idealen Loretoweg zum Verweilen einlädt und um Ausdruckskraft, die zum Denken anregt.“ Am Sonntag, den 27. April 1969 wurde der Kreuzweg unter der Mitwirkung des Kirchenchors feierlich eingeweiht.

Mutwillige Beschädigungen an zwei Stationen

Offensichtlich schätzten nicht alle den Kreuzweg. Zwei Stationen wurden von Unbekannten mutwillig beschädigt. Hierzu wird im Stühlinger Mitteilungsblatt vom 15. Februar 1973 unter der Überschrift „Was geschieht im Loretoweg?“ von Kloster und Stadt Stellung genommen. Pater Benedikt Reinhardt Guardian schreibt unter anderem: „Dieses Werk, das ein durchaus positives Echo über unsere Landesgrenze hinaus erfuhr, sieht sich nun mutwilliger Zerstörung ausgesetzt. So wurde vor geraumer Zeit an der 12. Station ein Stück der Lanze des Longinus gewaltmäßig abgebrochen und der restliche Teil stark verbogen. In diesen Tagen nun wurde das Kreuz der 11. Station aus seiner Granitverankerung herausgerissen.“

Die Stadt Stühlingen fügte unter anderem hinzu: „Kinder waren u.E. hier sicherlich nicht am Werk, da diesen soviel rohe Kraft nicht zuzumuten ist. Wenn sich jeder Bürger vornimmt, gegenüber allem verdächtigen Treiben von Einzelnen oder Gruppen künftig etwas wachsamer zu sein, könnte es in manchen Fällen vielleicht gelingen, die Täter auf frischer Tat zu fassen oder leichter zu ermitteln.“ Wer auch immer die Zerstörung verursacht hatte, kam straffrei davon.

Glücklicherweise ist seit damals nichts Negatives mehr passiert. Zeitzeugen berichten, dass man sich phasenweise zum regelmäßigen Gebet an den Kreuzwegstationen traf. Vor jeder Station befindet sich ein Blumenbeet, das Stühlinger Frauen auf ihre Kosten bepflanzen und pflegen. Helfende Hände sind in diesem Zusammenhang immer gefragt.

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