Franziskus-Hype: In Assisi ist die Hölle los

Cristofaro Bonarrigo ist müde, man sieht es ihm an. Eigentlich möchte sich der Pilger nur irgendwo hinsetzen. 190 Kilometer zu Fuß stecken in seinen 65 Jahre alten Knochen, vor neun Tagen wanderte er mit seinem Sohn Antonio, 33, in der Toskana los. Gerade kommen die beiden in Assisi vor der Basilika San Francesco an, große Rucksäcke auf dem Rücken. Die Wanderstiefel sind voller Schlamm, es hat geregnet in den vergangenen Tagen.

In Assisi immerhin, dem Ziel ihres Franziskus-Pilger-Weges, scheint die Sonne. „Er ist der Schutzheilige Italiens, ein Symbol für Bescheidenheit und Nächstenliebe, ein Vorbild“, sagt Cristofaro. Natürlich will er gerne die Reliquien des großen Franz von Assisi sehen. Aber es gibt zwei Probleme: Jetzt noch zwei Stunden lang anstehen, das schafft er nicht. Außerdem haben die beiden keine Online-Anmeldung. Und die ist notwendig.

Noch bis Sonntag sind erstmals überhaupt die Gebeine des Heiligen ausgestellt

Assisi mit seinen 28.000 Einwohnern ist stets gut besucht, aber dieser Tage ist – man kann es so sagen – die Hölle los. Und alles nur wegen ihm, Franz von Assisi. Noch bis Sonntag sind erstmals überhaupt die Gebeine des Heiligen in der Unterkirche der Basilika ausgestellt. Anlass ist sein 800. Todestag in diesem Jahr. Einen Monat lang konnten die Pilger bereits die Reliquien des wichtigsten italienischen Heiligen besuchen. Und sie kamen, vor allem in Bussen. Bis Mittwoch wurden rund 350.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Bis zum Sonntag sollen es dann knapp eine halbe Million Menschen gewesen sein, prognostizieren die Veranstalter vom Franziskaner-Konvent.

Vater und Sohn Bonarrigo aus Velletri bei Rom stehen nun oben vor dem Eingang zur Franziskus-Basilika. Der große Trubel beginnt viel weiter unten – in Assisi. Hinter der Porta San Francesco hupt ein Taxifahrer, ein Ape-Dreirad knattert vorbei und muss unvermittelt bremsen. Auch ein Lastwagenfahrer steckt mit seinem Fahrzeug fest und gestikuliert ungeduldig. Ein Strom von Menschen überquert die Straße. Stau in Assisi, der kleinen Stadt in Mittelitalien.

Ein Polizist versucht hilflos, den Verkehr zu regeln. „Aquì, hier entlang“, ruft eine südamerikanische Touristin ihrer Gruppe zu und deutet auf die lange Pilger-Schlange, die den Berg hinaufführt. „Papa, es ist der Wahnsinn“, ruft einer auf Italienisch in sein Telefon. „Ein Meer von Menschen!“

Die Gebeine des Franziskus haben einen Hype ausgelöst,........

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