Campino über letztes Album: „So ist es jetzt“ |
Die Toten Hosen bringen Ende Mai ein neues Studioalbum heraus. Es heißt „Trink aus, wir müssen gehen!“ und soll ihr letztes sein. Die anstehende Tournee ist bereits ausverkauft. Ist das wirklich das Ende der Hosen nach über 40 Jahren? Frontmann Campino (63) hat der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf Rede und Antwort gestanden.
Frage: Ihr habt Euch nach „Laune der Natur“ neun Jahre Zeit gelassen für das neue Album, so lange wie noch nie. Was ist da passiert?
Antwort: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir faul waren. Wir hatten eine Unplugged-Tour geplant, die leider wegen Corona ausfallen musste. Ich habe in dieser Zeit dann das Buch „Hope Street“ geschrieben. Als kleine Fingerübung haben wir auch noch ein Cover-Album eingespielt: „Learning English Lesson 3: Mersey Beat!“ Wir waren also aktiv.
Wenn ich mir überlege, dass wir fürs nächste Album auch wieder neun Jahre brauchen würden, dann wäre ich in den 70ern, das mag ich mir nicht vorstellen. Deshalb ist auch dieses Gefühl in uns, dass dies die letzte Scheibe ist.
Sollte uns noch ein Stück einfallen, von dem wir das Gefühl haben, das muss jetzt unbedingt raus, dann können wir das ja immer noch bringen. Aber dass man sich noch mal auf ein ganzes Album einlässt, das wird auf keinen Fall passieren.“
„Es braucht uns nicht mehr ewig als Band in der Öffentlichkeit.“
Frage: Aber die Band löst sich nicht auf und die Tournee ist nicht die letzte, oder doch?
Antwort: „Wann das letzte Konzert gespielt wird, haben wir noch nicht bestimmt. Wir als Band können uns in dem Sinne gar nicht auflösen, weil wir eine Verabredung auf dem Düsseldorfer Südfriedhof haben, wenn es mal mit uns in die Kiste geht. Die Frage ist nur, wie lange will man diese Freundschaft auf einer Bühne zelebrieren. Wir sind immer schon mehr gewesen als die Musik oder als das, was die Leute von uns wahrnehmen. Und das bleibt. Es braucht uns nicht mehr ewig als Band in der Öffentlichkeit.“
Frage: Das werden die Fans anders sehen.
Antwort: „Wir haben ja irgendwann schon Mitte der 1980er gerufen: "Das Ende setzen wir uns selbst." Das haben wir auch immer ernst genommen, dieser Vorsatz stand. Es ist immer besser, einen Tick zu früh zu gehen, als einen Tick zu spät. Bei aller Wehmut, die wir da selbst empfinden: Das Gefühl, dass es so richtig ist, überwiegt bei Weitem.“
Frage: War das denn eine einstimmige Entscheidung?
Antwort: „So was ist nie in dem Sinne einstimmig. Der eine würde vorher, der andere eher später Schluss machen mit der ganzen Sache. Das erarbeiten wir zusammen und versuchen eine Linie zu finden. So eine Entscheidung kommt nicht über Nacht, das reift über einen gewissen Zeitraum. Und so ist es jetzt.“
Frage: In einem der neuen Stücke heißt es: „Will raus aus unserem Proberaum." Ist das ein Grund? Nase voll von über 40 Jahren im Proberaum?
Antwort: „Nein, das wäre gemein. Wir haben totales Glück, der Proberaum ist 20 Meter von hier drüben in der Halle und es ist ein schönes Zuhause. Früher war eine Probe halt auch gleichzeitig eine Party. Das ist aber schon lange her. Wir haben ein Schild an der Tür, da steht groß mit Filzstift draufgeschrieben: "Du musst heute nicht proben, Du darfst heute proben!" Immer, wenn da einer lustlos rein schlurft, soll dieses Schild daran erinnern, dass es ein verdammtes Privileg ist, für diese Mannschaft auflaufen zu dürfen und das Trikot der Toten Hosen zu tragen.“
Frage: In dem Lied ist auch von einem vergessenen Paket........