Konstanz wird zur Spiele-Hochburg: Was am liebsten gespielt wird |
Der Verein „Spielraum Bodensee“ hat offenkundig einen Nerv getroffen: Schon zur Eröffnung der Spiele-Tage am Samstagvormittag gab es einen regelrechten Ansturm auf die Räume in Volkshochschule, Bibliothek, Stephanshaus und St. Johann in Konstanz. „Spielen bringt Menschen zusammen“, sagt Michael Conrad, Spielforscher an der Universität Konstanz und Mitglied des Vereins „Spielraum Bodensee“, der die Spiele-Tage organisiert. „Man einigt sich auf Regeln und dann ist es egal, welchen Hintergrund man mitbringt, wie alt man ist oder woher man kommt.“ Wichtig seien einzig die positiven Gemeinschaftserlebnisse. Und davon gab es einige.
In der VHS stellen Verlage ihre Neuheiten vor. Ahmet Selim probiert zum Beispiel das Würfelspiel „Piraten kapern“ aus. Er hat in einem Deutsch-Einführungskurs von den Spiele-Tagen gehört und lernt nun spielend Vokabeln.
Einige Spiele sind sogar noch Prototypen
Noch Prototypen sind die Spiele, die in St. Johann ausgestellt werden. Eines davon und fast fertig ist „Jano“: „Mein Mann ist beim Spazierengehen mit unserem Hund darauf gekommen“, erzählt Fiene Száki. „Man muss mit seiner Hundefigur durch einen Wald laufen und möglichst viele Freunde finden.“ Noch nicht ganz so weit ist Andreas Krähenbühl, der seinen Entwurf für ein Muschelsammel-Brettspiel vorstellt. „Im Laufe von ein paar Monaten habe ich alles selbst gebastelt. Jetzt warte ich auf Probespieler und auf Anregungen, was ich noch anpassen muss.“
Familie hat schon 40 bis 50 Brettspiele
Jan und Phileas Heinen sitzen vor dem Legespiel „Runes“: „Wir sind diesmal extra ohne meine kleine Schwester hier“, sagt der fast Achtjährige. „Letztes Mal war sie dabei, und wir sind zu gar nichts gekommen.“ Sein Vater erzählt, dass die Familie bestimmt 40 bis 50 Brettspiele habe. „Es kommen jedes Jahr neue dazu - trotz der Kosten von bis zu 100 Euro. Aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Man hat lange was davon.“
„Krakel-Orakel“ ist nominiert für das Spiel des Jahres 2025 und erfordert mit rund 25 Euro keine so große Investition. Ziel ist es, einen Begriff in zwei Minuten so zu zeichnen, dass die Mitspieler ihn erraten. Die bekannte Spielidee wird dadurch verschärft, dass man nur vorgegebene gekrakelte Linien nutzen darf. Die Zeichnungen werden also seltsam. Margarete Rupp und Heinz Feltrup lassen es sich erklären. Die Spiele-Tage finden sie interessant. „Man lässt sich treiben und genießt“, sagt er.
Das Dachgeschoss der VHS gehört den hölzernen Cuboro-Kugelbahnen. „Wir lieben sie“, sagt Leda Toneva-Voigt, die mit ihren Kindern hier ist. „Zuhause haben wir nur ein kleines Set. Nun wollen wir probieren, mit vielen Bauteilen eine große Anlage zu bauen.“ Auch Chang Geist will gar nichts Neues ausprobieren. Sie hat sich im Wolkensteinsaal aus dem Angebot von 450 Brettspielen „Tika“ ausgeliehen. „Ich habe das selbst, aber noch nie gespielt, weil ich nicht weiß, wie es geht. Hier finde ich Leute, die mir die Regeln erklären.“
Fantasy bedient ein urtümliches menschliches Bedürfnis
Matthias Plath leitet durch das Rollenspiel „Cthulhu“, das auf der fantastischen Welt des Autors H.P. Lovecraft beruht. „Es ist ein urtümliches menschliches Bedürfnis, sich Geschichten zu erzählen. Ich mache das seit rund 40 Jahren über die Rollenspiele.“ Das Spiel „Cthulhu“ kommt mit Block und Bleistift aus, für andere Fantasy-Games braucht es Spielfiguren. Und um die kümmert sich Jakob Schulz.
In seinem „Studio Flügelschlag“ macht er aus grauen Kunststoffmodellen mit Pinsel und Airbrush kleine Kunstwerke. „Wer lieber „Warhammer“ spielt, als die bis zu 17 Einzelteile pro Figur zusammenzubasteln, der engagiert mich.“ Einige seiner Kunden ließen sich ganze Armeen von 120 Figuren verschönern. „Das ist dann monatelange Arbeit für mich – und kostet quasi einen Gebrauchtwagen“, sagt er lachend.
Kinder spielen den Büroalltag nach
Die ganz Kleinen werden im Stephanshaus fündig. Brio-Holzeisenbahnen und „Tiptoi“ stehen hoch im Kurs. Am anderen Ende der Skala steht „Office Imposters“, bei dem bis zu 30 Spielende Charaktere in einem imaginären Unternehmen übernehmen und an unterschiedlichen Posten Aufgaben aus der Berufswelt erfüllen müssen. Mal bewerten sie Lebensläufe, mal machen sie Inventur. Gestört werden sie dabei von Saboteuren. „Da ist wie im Werwolf-Spiel“, erklärt Mitentwickler Simon Blaser. „Man muss herausfinden, wer Hochstapler ist.“ Die Persiflage auf das Arbeitsleben wäre ideal für Team-Events. Auch hier gilt: Spielen führt zu positiven Gemeinschaftserlebnissen.
Der Verein „Spielraum Bodensee“ organisiert seit 2025 nicht nur den Event „Konstanz spielt“, sondern auch 14-täglich Spiele-Abende. Die nächsten Termine sind „Wollma zocken“ am 10. April und „Litzelstätten zockt“ am 24. April. Näheres gibt es online unter spielraum-bodensee.de
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