Hilferuf zweier Vereine: Toolbox Bodensee und Notfunk suchen neue Heimat |
Die Toolbox Bodensee und der Notfunk Bodensee senden einen Hilferuf: Beides sind gemeinnützige Vereine, die seit Jahren eine gemeinsame Heimat auf dem Werksgelände der Intimus International GmbH im Markdorfer Gewerbegebiet Riedwiesen haben. Doch nun hat ihnen das Unternehmen die Räume in der Bergheimer Straße 6-8 gekündigt, auf Ende Mai. Rasche Hilfe tut also Not. Am liebsten würde man wieder unter einem gemeinsamen Dach unterkommen, wünschen sich die Verantwortlichen beider Vereine.
Die Toolbox Bodensee, gegründet 2014 und seit 2017 in der Bergheimer Straße in Markdorf auf dem Firmengelände von Intimus beheimatet, versteht sich als „Maker-Space“: Mitglieder werken gemeinsam, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Es gibt eine Holzwerkstatt, CNC-Fräse, ein Tonstudio und zahlreiche Rechner, an denen Spiele entwickelt oder Computerprogramme geschrieben werden. Der Verein hat rund 120 Mitglieder, die Räume sind offen für alle Interessierten, donnerstags sind immer gemeinsame Abende. Der Notfunk Bodensee wurde aus den regionalen DARC-Ortsverbänden heraus gegründet. Seine Mitglieder treffen sich ebenfalls regelmäßig. Beide Vereine sind über gemeinsame Mitglieder eng verbunden.
Verein versteht sich als offener Treffpunkt für Tüftler und Kreative
Auf rund 410 Quadratmeter verteilen sich die Räume der Toolbox in dem Gebäude, weitere rund 70 Quadratmeter belegen die Funker im Obergeschoss. Die Toolbox ist ein sogenannter „Maker-Space“, ein Treffpunkt für Bastler, Tüftler, Kreative und IT-Entwickler. Dort können sie gemeinsam werken, sich austauschen, Computerspiele entwickeln oder im Tonstudio Musik komponieren. An ihren offenen Abenden, die donnerstags stattfinden, bieten Mitglieder auch Vorträge und Einweisungen an.
Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto: Wer sich in einem für ihn fremdem Gebiet informieren oder weiterbilden möchte, bekommt gerne Anleitung. Gegenseitige Unterstützung sei selbstverständlich, sagt Maren Matthes. Ein Reparatur-Café, wie jenes im Mehrgenerationenhaus, sei man hingegen nicht, betont sie.
Gemeinsam mit ihren Vereinskollegen Jonathan Gilmer und Max Bachmann hat sie zu einem Rundgang durch die Räume eingeladen, von den Funkern ist Falko Nemetz mit dabei. Nemetz ist Mitglied des Häfler Ortsverbandes des Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Der Verein Notfunk Bodensee wiederum ist eine Initiative der drei DARC-Ortsverbände Friedrichshafen, Ravensburg und Lindau. Nemetz ist auch Mitglied bei der Toolbox, ebenso wie viele Mitglieder der Toolbox sich auch den Funkern angeschlossen haben – die Interessen überschneiden sich.
Beim Rundgang durch die Räume des betagten Firmengebäudes wird schnell klar: Ein paar kleine Zimmer werden nicht ausreichen als neues Vereinsheim für die Toolbox. „Dieser Ort hier, den wir jetzt neun Jahre lang hatten, war natürlich schon ideal“, sagt Bachmann. Will heißen: große Räume im Erdgeschoss, denn eine CNC-Fräse in der Metallwerkstatt oder die Tische, Werkbänke und Geräte der Holzwerkstatt benötigen nicht nur viel Platz, sie könnten auch schwerlich über steile Treppen in ein oberes Stockwerk gewuchtet werden. 500 Euro monatliche Miete habe Intimus verlangt, sehr fair, wie alle Mitglieder betonen. Die Miete, sagt Bachmann, habe man bisher über die Mitgliedsbeiträge finanzieren können.
Was benötigt man noch? Toiletten wären wichtig, sagt Gilmer, und einen Raum, den man als Küche nutzen könne. „Aber wir haben keine superhohen Ansprüche“, ergänzt Nemetz. „Wir brauchen einfach einen Ort, an dem wir uns treffen können, an dem wir unsere Workshops veranstalten können und wo wir auch längerfristig bleiben können“, sagt Matthes. Grundsätzlich, so betonen alle, müssten die Vereinsräume auch nicht unbedingt in Markdorf sein. Infrage käme für sie der gesamte Bodenseekreis. Ideal wären wieder Firmen, die wie seinerzeit Intimus aktuell einen nicht benötigten Leerstand hätten. Dies würde zugleich auch sicherstellen, dass man nicht direkt in einem reinen Wohngebiet wäre, was wegen der nötigen Werkstattarbeiten von Vorteil wäre, da man dann auch keine Nachbarn störe.
Mindestens 220 Quadratmeter und am besten nicht in einem Wohngebiet
Je früher sich eine Option ergäbe, umso besser, sagt Matthes, da sie dann ja auch noch den Umzug organisieren müssten. Vom Flächenbedarf her wäre alles zwischen rund 220 und 400 Quadratmetern vorstellbar. „Wir sind verträgliche Menschen“, betont Nemetz lachend, während Gilmer auf das soziale Engagement des Vereins verweist: „Hier starten immer wieder auch soziale Projekte“, sagt er: „Mitglieder geben zum Beispiel Kurse an der Kinder-Uni oder wir verleihen unentgeltlich unsere LED-Wände etwa an Schülertheater.“ Mit ihrem Aufruf auch über die Presse hoffen sie nun auf Resonanz. Denn klar ist: Die Uhr tickt, bis zum Auszugstermin Ende Mai ist es nicht mehr lange hin.
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