Mit acht Händen auf zweimal 88 Tasten: Ein Konzertabend der Extraklasse |
Der August-Dietrich-Saal in Hilzingen war wieder einmal ausverkauft. Die Jugendmusikschule Westlicher Hegau hatte zu einem besonderen musikalischen Ereignis eingeladen. Das Publikum war vom ersten Moment an in den Bann gezogen. Im Zentrum stand das international gefeierte Baynov-Piano-Ensemble um Professor Tomislav Baynov, Pianist, Komponist und Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Seit der Gründung des Ensembles im Jahr 1989 verfolgt er eine ebenso kühne wie faszinierende Idee, das Klavier nicht nur als Soloinstrument zu denken, sondern als orchestrales Klanggeschehen, gespielt von mehreren Pianisten auf mehreren Instrumenten gleichzeitig.
Ensemble begeistert mit vielschichtigem Klangspektrum
Gemeinsam mit Ting Yuan, Zuzana Suchanova und Heinrich Beise – allesamt Studenten von Baynov – entfachte das Ensemble ein Klangspektrum, das den Saal in eine andere Welt versetzte. Zwei Konzertflügel und daran nicht nur zwei, sondern fünf, sechs, ja bis zu acht Hände gleichzeitig. Melodie, Bass, Mittelstimmen und feinste Klangfarben wurden auf die verschiedenen Pianisten verteilt. Was daraus entstand, war nicht nur ein perfektes Zusammenspiel, sondern ein vielschichtiges Klanggeflecht von fast orchestralem Charakter.
Das Publikum hielt spürbar den Atem an, als bekannte Werke plötzlich in neuem Licht erschienen. Mozarts Ouvertüre zur „Figaro“-Oper oder das sprühende Allegro aus „Eine kleine Nachtmusik“ klangen vertraut und zugleich vollkommen neu. Die Musik bekam Tiefe, Wucht und eine überraschende Ausdrucksstärke, die man mit einem Klavier allein niemals schaffen kann.
Doch nicht nur akustisch war dieser Abend ein Erlebnis. Auch das Auge kam kaum zur Ruhe. Hände kreuzten sich, Spieler rückten blitzschnell nach, saßen dicht nebeneinander, spielten teilweise nur mit einer Hand und wechselten Positionen mit einer Präzision, die fast an eine Choreografie erinnerte. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel von Bewegung und Klang, hoch konzentriert, energiegeladen und zugleich von spielerischer Leichtigkeit getragen.
Persönlicher Kontakt macht Auftritt möglich
Dass dieser Abend möglich wurde, ist dem großen Engagement der Jugendmusikschule zu verdanken. Heinrich Beise hatte erneut den Kontakt zum Ensemble hergestellt. Arpad Fodor, Leiter der Jugendmusikschule, dankte ihm ebenso wie dem Förderverein, der das Konzert unterstützte. (hbr)
Publikum staunt über Klangfülle der zwei Flügel
Zwischen klassischen Meisterwerken und eigens für diese besondere Besetzung von Baynov komponierten oder ihm gewidmeten Stücken zeigte das Ensemble seine ganze Bandbreite. Gerade die modernen Werke und die Eigenkompositionen Baynovs sowie das von Heinrich Beise komponierte Stück „Posideon“ überraschten durch ihre Klangfülle und Originalität. Das vom Niederländer Jeroen van Veen seinem Freund Baynov gewidmete Stück Minimal Prelude 37 „Goodbye Nokia“, erinnerte an den vertrauten Klingelton. Immer wieder war im Publikum ein leises Staunen zu spüren, darüber, wie aus zwei Flügeln eine solche Klangfülle entstehen kann.
Nach zwei mit großem Applaus vom Publikum eingeforderten Zugaben stand am Ende des Konzerts das Gefühl, Zeuge von etwas Besonderem gewesen zu sein. Ulrike Brachat, Franz Moser oder Edgar Auer, langjährig engagiert bei Jugend musiziert, waren begeistert von „ihrer“ Jugendmusikschule, dem heimischen Anker der Musik, wie Auer meinte. Was bleibt, ist mehr als ein gelungenes Konzert. Es ist die Erkenntnis, dass das Klavier mehr kann als ein Soloinstrument. Genau darin liegt die künstlerische Vision Baynovs. Und an diesem Abend wurde sie nicht nur hörbar, sondern geradezu greifbar.
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