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Neue Wege in der Sterbebegleitung: Erstes Hospiz im Kreis Waldshut steht kurz vor der Eröffnung

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10.04.2026

Der Hochrhein geht in der Begleitung sterbender Menschen neue Wege. In Tiengen steht die Eröffnung des ersten stationären Hospizes im Kreis Waldshut bevor. Integriert darin soll auch ein Tageshospiz sein, also ein teilstationäres Angebot, was in Baden-Württemberg laut Evangelischem Sozialwerk erst das vierte ist. Der Verein mit Sitz in Müllheim investiert 17 Millionen Euro ins Tiengener Projekt. Die ersten „Gäste“, wie die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner hier heißen, sollen ab dem 1. Juli einziehen. Wer aufgenommen wird, kann aufgrund der Schwere der Erkrankung oder des familiären Umfelds nicht mehr ambulant zu Hause betreut werden. Betreiber des Hauses werden die Diakonischen Dienste Hochrhein sein.

Das Hospiz wird elf Einzelzimmer bieten. Im Erdgeschoss entsteht das Tageshospiz für bis zu acht Personen, die ihres Krankheitsbildes wegen tagsüber eine stationäre Versorgung brauchen. Darüber hinaus sind Gemeinschaftsräume, eine Bibliothek und ein „Raum der Stille“ geplant. Ins Erdgeschoss sollen eine Arztpraxis mit Palliativschwerpunkt, Therapieräume und ein Veranstaltungsraum kommen. Im Haus am Glockenberg, wie die Einrichtung heißt, soll es zudem 24 Plätze für Kurzzeitpflege geben.

Äußerlich steht das neue Gebäude am Tiengener Bahnhof schon weitgehend fertig da. Bis zum Sommer muss jetzt noch der Innenausbau erfolgen. Die baulichen Anforderungen an die Liegenschaft sind der Nutzung gemäß hoch. Zu berücksichtigen gilt es insbesondere Barrierefreiheit, Lärm-, Hitze- und Brandschutz.

Das Gebäude muss ausgebaut sein. Um den Betrieb eröffnen zu können, muss aber auch das nötige Fachpersonal bereitstehen. Und da, räumen Anna Offermann-de Boor und Sabine Budde von den Diakonischen Diensten Hochrhein ein, sei man noch im Findungsprozess. Was auch für die Arztpraxis gelte.

43 Vollzeitstellen zu besetzen

Und die Mitarbeiterzahl ist beträchtlich. 43 Vollzeitstellen gelte es zu besetzen. „Das ist natürlich schon ein spezieller Arbeitsplatz“, sagt Offermann-de Boor. Und schiebt nach: „Aber die Begegnung mit Sterbenden kann sehr erfüllend sein.“ Es sei ein Dienst nah am Menschen, mit dem Ziel, dessen letzten Lebensabschnitt so würde- und respektvoll wie möglich zu gestalten. Das erfordere Pflegekräfte mit einer Zusatzausbildung im Umgang mit unheilbar Kranken, einer Palliativausbildung.

Ein reines Hospizgebäude, da sind sich Offermann-de Boor und Budde einig, würde sich wirtschaftlich wohl kaum rechnen. Daher hat sich das Evangelische Sozialwerk Müllheim für den vorgesehenen Mix an Nutzungen entschieden, im Kalkül, die Einrichtung damit verlustfrei betreiben zu können. Denn es trägt die 17 Millionen Euro Baukosten allein. Fördermittel und Zuschüsse dazu gebe es keine. Die Kosten konnten zumindest verringert werden, weil die Stadt Waldshut-Tiengen das ihr gehörende Baugrundstück zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt hat. Die Betriebskosten werden zu 95 Prozent von den Kranken- und Pflegekassen übernommen. Die Verhandlungen über die Höhe der Tagessätze laufen derzeit.

Es sind keine 100 Prozent, weil die Politik die Gefahr sieht, dass mit der vollen Kostenübernahme mit Sterbebegleitung Geld verdient werden könnte. Um die restlichen fünf Prozent zu erbringen, ist für Tiengen 2020 ein Förderverein gegründet worden. Mitgliedsbeiträge und Spenden sollen den Fehlbetrag decken. Dieser bewegt sich laut dem Vorsitzenden Dietmar Wieland zwischen 90.000 und 120.000 Euro pro Jahr, je nach Belegungsgrad des Hospizes.

„Derzeit haben wir rund 430 Vereinsmitglieder. Bis Ende 2026 streben wir 450 bis 500 an“, sagt er. Froh ist er darüber, dass sämtliche Städte und Gemeinden im Kreis Waldshut wie auch der Kreis selbst dazu gehören und einen nach Einwohnerzahl gestaffelten Beitrag entrichten. Wieland: „Für uns eine tolle Geste der Solidarität.“ Der Landkreis hat sich auch bereiterklärt, für die ersten drei Jahre finanziell einzuspringen, sollte der Betrieb defizitär sein. Wieland sagt, er sei zuversichtlich, dass davon kein Gebrauch gemacht werden muss. Froh ist er auch darüber, dass die ursprünglich im Raum stehende Finanzierungslücke von zehn Prozent nicht gekommen ist. Doch auch die Reduktion auf die Hälfte habe die Suche nach einem Investor für das Hospiz in Tiengen langwierig und mühsam gemacht.

Wenn das Haus am Glockenberg im Sommer in Betrieb geht, braucht es dafür noch haupt- und ehrenamtliches Personal. Ein erster Kurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter ist gerade gestartet, ein zweiter beginnt im Oktober. Ansprechperson bei den Diakonischen Diensten Hochrhein ist Sabine Budde, E-Mail sabine.budde@ddh-tiengen.de. Ein Palliative-Care-Kurs für hauptamtliche Pflegekräfte, der in Tiengen selbst stattfindet, startet im Dezember.  

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