Günter Hoffmann referiert beim Geschichtsverein über das St. Blasier Architekturbuch |
Beim jüngsten Monatstreff des Geschichtsverein Hochrhein stellte dessen zweiter Vorsitzender Günter Hoffmann den interessierten Zuhörern ein seltenes und großartiges Buch vor. Gigantisch nicht nur wegen seiner Ausmaße, sondern auch wegen des Selbstanspruchs des Autors und der wirtschaftlichen Folgen, welche die Veröffentlichung für ihn hatte.
Schwerpunkt des Buches ist das Kloster St. Blasien
Doch auch das Bauwerk, welches den Großteil des Buches einnimmt, hat große Ausmaße: das Kloster St. Blasien. Nachdem dieses 1768 einem Brand zum Opfer gefallen war, beauftragte Fürstabt Martin Gerbert (1720-1793) einen französischen Architekten mit dem Neubau, den 1723 in Nimes in Südfrankreich geborenen Michel D‘Ixnard. Gerbert kannte von seinen Italienreisen Bauwerke des Altertums und die Umgestaltung des römischen Pantheons zu einer Kirche. Die edle und schlichte, aber großzügige Disziplin entsprach mehr den von ihm geteilten Ansichten der Aufklärung als der sonst zu dieser Zeit in Süddeutschland noch verbreitete Spätbarock mit seiner Verspieltheit.
Bereits in D´Ixnards ersten Plänen für St. Blasien von 1768/69 wurde seine nachdrückliche Vermeidung jeglicher barocken Verschleifung deutlich, der Kirchenraum ist eine einzige große Rotunde mit Freisäulen, die in gleichmäßigen Abständen eine Kuppel tragen, ein ungestörter Kreis bildet den Grundriss. Der Portalbau wird von einer geraden Reihe dorischer Freisäulen gebildet und von zwei massiven blockhaften Türmen flankiert. Ein langgestreckter, gerader Chor ist an die Rotunde übergangslos angefügt. Auch hier tragen Freisäulen das Tonnengewölbe mit halbrundem Querschnitt. All dies bildete D´Ixnard in einem Architekturbuch ab, dem „Recueil d´Architecture“, auf Deutsch Architektursammlung. Herausgegeben hat er es 1791 in Straßburg, wo er mittlerweile lebte und 1795 auch verstarb. Nach seinen Zeichnungen fertigten Kupferstecher 34 sehr präzise Tafeln mit Grundrissen, Fassadenansichten, Querschnitten und Details klassischer Ordnungen von Repräsentationsbauten, Verwaltungsarchitektur, Adelspalästen und Sakralbauten.
Ein Monument des Architekten selbst
Die Auflage betrug 400 Exemplare und ruinierte D´Ixnard wirtschaftlich, wie er 1793 selbst zugab. Aber er hat sich mit diesem Akt der Selbsthistorisierung unsterblich gemacht, indem er sich als Architekt mit systematischem Anspruch legitimierte und seine Entwürfe in den Rang verbindlicher Modelle erhob. Seine gedruckten Tafeln überdauern das gebaute Werk, das Buch wurde zum Monument des Architekten selbst, der eine kulturelle Transferleistung für Europa erbrachte.
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