Popeye-Elixier und Kinderschreck: Von der Reichenau kommt auch Spinat |
Als „Randprodukte“ bezeichnet Edgar Müller sein Gemüsesortiment. Der Reichenauer hat bis zum Ruhestand überwiegend Zucchini kultiviert. Zwar widmet sich Müller noch drei Sorten Kugelzucchini, doch seit einem Jahr setzt der Insulaner auf einer Gesamtfläche von 5000 Quadratmetern auf Artischocken, Radieschen, Rettich – und auch wieder auf Spinat.
Anders als viele andere Gärtner kauft der Rentner aber keine Setzlinge, sondern sät die verschiedenen Gemüsesorten selbst von Hand aus. Der Spinat kam Mitte September 2025 in den relativ lehmigen Boden.
Bei Kleinabnehmern begehrt
In zweiter Generation bewirtschaftet der Gärtnermeister die einst von seinem Vater und teils selbst erbauten Glashäuser nahe der Inselspitze in Niederzell. „Für den Spinatanbau benötigt man viel Fläche, aber mit 500 Quadratmetern war das für den Großhandel uninteressant. Daher habe ich diese Gemüsesorte in den vergangenen zehn Jahren nicht angebaut, das hat sich nicht gelohnt“, erzählt Edgar Müller. Bei Kleinabnehmern ist das Blattgemüse von der Insel hingegen begehrt.
Spinat hat einen Ruf als Kinderschreck und Elixier, aus dem die Comicfigur Popeye ihre legendäre Kraft schöpfte. Für eine Freilandkultur ist er allerdings nicht hart genug: „Wind und Sonne können die empfindlichen Blätter kaputt machen“, begründet Müller, weshalb die Pflanzen in Niederzell am besten geschützt in Gewächshäusern gedeihen. Bewässert wird per Tropfbewässerung über eine Ringleitung mit Bodenseewasser.
Vierter Schnitt ist der letzte
In Edgar Müllers Glashäusern wachsen die Gemüsekulturen nur mit natürlichem Sonnenlicht. Anstatt die Gewächshäuser energieintensiv zu beheizen, verwendet der Gemüseanbauer teils Mulchflies zum Abdecken. Die Erntezeit für den reifen Spinat hat Mitte Oktober begonnen und ist nun nach dem vierten Schnitt Mitte April beendet.
Rezept: Spinat mit P&P
Geht superschnell und ist gesund: Für Spinat mit Parmesan und Pinienkernen werden in einer Pfanne Zwiebeln, Knoblauch und Pinienkerne angebraten, das Blattgemüse hinzugefügt, bis es in sich zusammengefallen ist, und Käse darüber gestreut. Passt zum Beispiel super zu Kartoffelpuffern.
Offiziell firmiert Müllers Betrieb als konventionell, „aber Richtung Bio“, betont der Reichenauer. So setzt der Rentner für die Bestäubung der Kugelzucchini auf 100.000 eigene Bienen und verzichtet auf chemische Mittel. Gejätet wird überwiegend von Hand, teils auch per Traktor. Die zwei Söhne und die Ehefrau packen zwar nach Feierabend mit an, doch aus der Familie wird niemand den Gemüseanbau weiterführen. Angestellte gibt es keine. „Es ist ein auslaufender Betrieb“, bedauert Edgar Müller.
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