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Ruth Frenk zum 80. – Ihre Lebensthemen sind die Musik und die Erinnerung

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20.03.2026

Rotterdam, Genf, New York City. Die Stationen in Ruth Frenks Leben sprechen von Bildung und Weltbürgertum. Und es spricht für den Pragmatismus der gebürtigen Niederländerin, dass sie schließlich das eher provinzielle Konstanz zur Heimat wählt. In ihrer Autobiografie bezeichnet sie sich als „Jüdin, die gern in Konstanz wohnt, 100 Meter von der Schweizer Grenze entfernt“. Die Schweiz als Fluchtpunkt, nur zur Sicherheit.

Von New York nach Konstanz

Dabei ist Frenk aus dem kulturellen Leben der Stadt schwer wegzudenken. 1973 kommt sie nach Konstanz und will in ihrer Gesangsausbildung weiterkommen. Ihre Lehrerin Else Seifert hatte beschlossen, aus den USA nach Deutschland zurückzukehren. Frenk folgt ihr und gibt dem Städtchen am See eine Chance. „Es schien mir, dass man es hier gut aushalten kann.“

Aus dem Plan, Opernsängerin zu werden, wird nichts. Im Nachhinein sei das gut so gewesen, Stress und Leistungsdruck am Theater seien groß – und sie keine Ja-Sagerin. Gleichzeitig registriert sie: Viele reagieren mit Erstaunen auf ihre Person. „1973 gab es kaum Juden in Deutschland. Ich machte nie ein Geheimnis daraus, dass ich Jüdin bin.“ Sie tritt der Deutsch-Israelischen Gesellschaft bei, deren Vorsitzende am Bodensee sie heute ist. Sie lernt einen israelischen Pianisten kennen und gibt mit ihm einen Liederabend mit jiddischen Liedern. Das Format wird zum Erfolg, und Frenk tourt damit durch Deutschland. Noch mehr Publikum erreicht sie wenig später mit den „Liedern aus Theresienstadt“.

Lesungen über Schicksale aus der NS-Zeit

Mit 54 Jahren gibt sie die Auftritte auf und macht weiter als Gesangslehrerin. Damit verabschiedet sie sich nicht gänzlich von der Bühne. „Mein Applaus ist mir wichtig – aber ich bekomme ihn auch, ohne zu singen“, sagt sie. Der „Liebe ihres Lebens“ begegnet Ruth Frenk zwar früh, ein Paar werden die beiden aber erst viel später. In Paul findet sie einen treuen Weggefährten, den sie aber durch eine schwere Krankheit zu früh wieder verliert. Die Themen ihres Lebens sind bis heute die Musik, das gesellschaftliche Engagement, die Erinnerung. Letztere hält die Tochter zweier KZ-Überlebender in Lesungen vor Schülern wach. Persönliches äußert sie dazu wenig. Ihre Mutter stirbt früh, ihr Vater habe, bis er 80 war, über die Zeit im KZ geschwiegen. Ihre Tante Emma aber hinterließ Gedichte und Aufzeichnungen. Diese nutzt sie, um Zuhörern das Leben einer jüdischen Familie im Nationalsozialismus zu verdeutlichen.

Aus der Ruhe bringt sie inzwischen wenig. Offen gelebter Antisemitismus macht sie wütend – dazu schweigt sie nicht. Überhaupt ist mit Ruth Frenk weiter zu rechnen, wenn es um die Mitgestaltung ihrer Heimatstadt geht. Sie wird ja erst 80.

Claudia Wagner Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

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